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Bürgerverein Elberfeld Südstadt

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Besichtigung des "Historischen Farbfernsehlabors"
an der Bergischen Universität –Gesamthochschule Wuppertal
Campus Freudenberg

Auf Einladung unserer Bergischen Universität haben wir am Montag, 20. April 2015 das dort befindliche "Historische Farbfernsehlabor" besichtigt. Es befindet sich heute im Gebäude FE, Campus Freudenberg, der Universität Wuppertal. Das Programm der Besichtigung begann um 15:
00 Uhr.

Farbkamera...

Professor em. Uwe Kraus zeigt und erklärt dem Bürgerverein die historischen Geräte des Farbfernsehlabors

Selten ist es möglich, dass historische Schaustücke so kompetent vorgeführt werden, wie es der Bürgerverein im historischen Farbfernsehlabor erleben konnte. Zwei Herren, die in leitender Funktion die technische Entwicklung der Farbfernsehens miterlebt und mitbeeinflusst haben, gaben persönlich eine Einführung und Vorführung und beantworteten alle Fragen aus dem Kreis des Bürgervereins.

Zuerst eine historische Einführung des pensionierten leitenden WDR-Mitarbeiters Karl-Ulrich Oberlies. Zum Start des Farbfernsehens hatte der WDR unter Leitung des Physikers Dr. F. J. In der Smitten 1963 in Köln-Ehrenfeld ein Farbfernsehversuchslabor eingerichtet. In der Smitten kaufte in Amerika und Europa alle Geräte, die er für die Einrichtung eines Farbfernsehstudios benötigte. Amerikanische Farbfernsehgerätschaften funktionieren nach der Norm des NTSC (National Television Systems Committee). Wegen der schlechten Farbbildqualität wollte in Europa niemand ein NTSC-Farbfernsehsystem einrichten. In Deutschland wurde das PAL (Phase-Alternating-Line)-Verfahren entwickelt und später auch verwendet, in Frankreich hingegen das SECAM (Sequenzielle Farbe mit Speicher)-Verfahren. PAL und SECAM sind in der Bildqualität und im technischen Aufwand praktisch gleichwertig. Wird PAL oder SECAM gesendet, kann die Sendung von allen Schwarz-Weiß-Fernsehern der 625-Zeilen-Norm in Schwarz-Weiß gut empfangen werden. Bei dieser Sachlage war vor 1967 nicht klar, welches System in Europa zum Einsatz kommen würde. Im Farbfernsehlabor des WDR hat man sich daher auf beide Verfahren gerüstet und Geräte bereitgehalten, die von einer Norm auf die andere umkodieren konnten. Rückblickend muss man sagen, dass beschränkte politische Dickköpfigkeit die Einführung eines in ganz Europa einheitlichen Fernsehsystems verhindert hat. Die Deutschen führten das deutsche PAL-System ein, die Franzosen das französische SECAM.

Nach dem jahrelangen Vorgeplänkel wurde es dann ernst. Am 25. August 1967 drückte der amtierende Vizekanzler der Bundesrepublik Willy Brandt auf einen Knopf und die Ära des Farbfernsehens begann in Deutschland. Herr Oberlies wusste zu berichten, dass das Farbfernsehen irrtümlich schon wenige Sekunden vor dem historischen Knopfdruck begonnen hatte. Ingenieure hatten mit der Farbsendung begonnen. Der Knopf den Willy Brandt danach drückte, war ein funktionsloser Dummy. Es dauerte noch ca. 10 Jahre, bis die deutsche Bevölkerung überwiegend Farbfernsehgeräte in den Wohnzimmern stehen hatte und alle Sendungen statt schwarz-weiß in Farbe gucken konnte. Nach dem Ende der Vorbereitungszeit wurde das Farbfernsehlabor noch bis in die frühen 1970er Jahre als reguläres Farbfernsehstudio verwendet, dann aber wegen Überalterung der Geräte zunehmend vom WDR nicht mehr benötigt. Im Jahr 1975 wurde In der Smitten als Professor an die bergische Universität berufen und erhielt die Erlaubnis das Farbfernsehlabor an sein Institut mitzunehmen. Es diente danach als Ausbildungsstätte für Studenten der Nachrichtentechnik. 1994 schied Professor In der Smitten aus dem aktiven Dienst aus. Die Fernsehtechnik hatte sich gewandelt. Das Farbfernsehlabor konnte nicht mehr zur Ausbildung von Ingenieuren dienen. Als Nachfolger von Professor  In der Smitten wurde Professor Uwe Kraus an die Universität berufen. Kraus erkannte den historischen Wert des Farbfernsehlabors, hielt es betriebsbereit und ergänzte es durch eine Sammlung historischer Fernsehgeräte. Vor kurzem hat auch Kraus die aktive Berufsphase beendet. Dem Farbfernsehlabor aber hält er die Treue. Als Sammlungsbetreuer hütet er den Schatz der wertvollen Geräte.

Nach dem Ende der Einführung von Karl-Ulrich Oberlies schlug die Stunde des Technikers: Professor em. Uwe Kraus erklärte die vorhandenen Ausstellungsstücke und versetzte sie in Aktion:

Legendäre 3-Röhren Superorthikon Farbkamera TK41c der RCA.
RCA-Kamera geschlossen
RCA-Kamera offen

Die Kamera ist die zuerst angeschaffte Farbkamera des Farbfernsehlabors. Sie ist 1,52 Meter lang und 140 kg schwer. Es versteht sich von selbst, dass sie nur von einem Stativ aus betrieben werden kann. Sie wurde im Farbfernsehlabor erfolgreich von amerikanischer auf die europäische Norm von 625 Zeilen umgebaut. Heute funktioniert sie nicht mehr. Professor Kraus konnte sie aber öffnen und die 3 Bildröhren zeigen. So wurde verständlich, dass das Farbfernsehen ein verdreifachtes schwarz-weiß-Fernsehen ist. 3 Kanäle gibt es für das RGB-System. 3 Grundfarben Rot, Grün, Blau werden registriert und übertragen. Der Bildeindruck der anderen Farben entsteht im Fernsehempfänger durch additive Lichtmischung.

Farbdia-Übertragungsanlage DC 21 15 A
Sehr ähnlich, wie eine Fernsehkamera funktioniert die Farbdia-Übertragungsanlage. Vor das optische Auge der Kamera ist ein Diaprojektor moniert. So wird ein Standbild-Fernsehbild erzeugt, das immer genau den Bildinhalt des eingelegten fotografischen Dias wiedergibt. Für die technische Verbesserung der Fernseh-Elektronik war diese Konfiguration sehr hilfreich. In aller Ruhe konnte die Farbtreue des übertragenen Bildes und der Kurvenverlauf des elektrischen Video-Signals beurteilt und optimiert werden. Auch praktisch wurden und werden im Fernsehen immer wieder Standbilder benötigt. Beispiele sind Testbilder, Fotos und eingeblendete Texte. Die Farbdia-Anlage wurde von der Fernseh GmbH in enger Kooperation von Dr. In der Smitten mit Dr. H. Schönfelder, damals Leiter der Vorentwicklung Farbfernseh-Studiogeräte, entwickelt. Die Farbdia-Übertragungsanlage DC 21 15 A funktioniert heute noch problemlos.

Farbfilm-Abtaster FC 35 L 15 A
ilmabtaster
Im Fernsehen sollten häufig fertige Spielfilme, die auf Rollen von fotografischem Film vorhanden waren, gezeigt werden. Dazu wurden im Farbfernsehlabor in umfangreichen Versuchsreihen  für das Prinzip der Lichtpunktabtastung von Farbfilmen die optimalen Farbdichtewerte, der maximale Kontrastumfang und die bestmögliche Gradationskennlinie ermittelt. In Verbindung mit der Fernseh-GmbH und der Agfa wurden die Filmmaterialien und der Abtaster  optimiert. Professor Kraus konnte dem Bürgerverein den voll funktionsfähigen Farbfilm- Abtaster im Betrieb vorführen.

Das Bild zeigt:
Zwei Trommeln zur Aufnahme der Filmspulen und dazwischen der Abtaster


Foto: Bürgerverein
Lizenz: Gemeinfrei



RCA Vierkopfmaschine des Typs TR22


RCY Ampex Vierkopfmaschine Karl-Ulrich Oberlies, pensionierter technischer Leiter des WDR beteiligt sich  an der Betreuung des  Historischen Farbfernsehlabors und gibt Einführungen in die Geschichte des WDR Farbfernsehens.

Links im Bild die RCA Vierkopfmaschine TR22

RCA Vierkopfmaschine des Typs TR22

Ältere Fernsehnutzer werden sich noch daran erinnern, dass es einmal üblich war, Fernsehsendungen auf Magnetbändern (VHS-Kassetten) aufzuzeichnen. Die Technik beruht darauf, ein möglichst breites Magnetband zu verwenden und jedes einzelne Fernsehbild als einen magnetisierten Streifen schräg-quer über das Band zu schreiben. Nur so war es möglich, die Bandgeschwindigkeit in dem von Audio-Tonbändern gewohnten mäßigen Rahmen zu halten. Diese Technik hatte Vorläufer in den Fernsehstudios und im Farbfernsehlabor des WDR. Schon ganz zu Beginn des Farbfernsehzeitalters war es möglich, die mit Fernsehkameras aufgenommenen Fernsehsendungen auf 2 Zoll breiten Magnetbändern aufzuzeichnen und zu archivieren.  Das Farbfernsehlabor hat dazu eine RCA Vierkopfmaschine für die NTSC-Norm erworben  und (was damals als fast unmöglich galt) mit Hilfe von Technikern der Herstellerfirma zur Aufzeichnung von farbigen PAL-Sendungen tauglich gemacht. Das war schon im Jahr 1966. Die Vierkopfmaschine des Historischen Farbfernsehlabors läuft noch, funktioniert aber nicht wirklich. Das von ihr produzierte Fernsehbild besteht aus schwarzen und weißen beweglichen Flecken. Es gibt leider weltweit keine Experten und Ersatzteile mehr, die nötig wären, das Gerät zu reparieren.

Bildkontrolleinrichtung
Genau wie heute noch die Fernsehstudios verfügt des historische Fernsehlabor über eine Bildkontrolleinrichtung. Sie besteht aus einem Tisch mit mehreren Schaltern und Reglern und einer Wand mit zahlreichen Fernsebildschirmen. Der Bildregisseur kann während einer Fernsehsendung aus mehreren angebotenen Bildquellen eine auswählen und zur Ausstrahlung für die Fernsehzuschauer auswählen. Auch diesen Teil des Farbfernsehlabors konnte Professor Kraus  dem Bürgerverein funktionstüchtig präsentieren. Für Überblendungen von einer Bildquelle zur nächsten wurden damals raffinierte Steckbausteine verwendet, die heute noch vorführbereit vorhanden sind.
Bildkontrolleinrichtung
Bildkontrolleinrichtung


Mehr Informationen:

Der WDR zum Farbfernsehlabor:
Farbfernsehversuchslabor104.html