Museumsbesuch: llja Repin

Selbstbildnis

Illja Repin: Selbstbildnis (1887)

Am 11.Oktober erlebten wir wieder eine hervorragende Kunstausstellung im Von der Heydt-Museum. Den Namen des russischen Malers hatten manche von uns noch nie gehört, aber das Plakat und Berichte in den Medien hatten uns neugierig gemacht.

llja Jefimowitsch Repin wurde 1844 in der ukrainischen Kleinstadt Tschugujew geboren. Er machte zunächst eine Lehre bei dem Ikonenmaler Bunakow. 1863 ging er nach St. Petersburg, wo er erst die private Zeichenschule der "Gesellschaft zur Förderung der Künste" besuchte und dann bei Iwan Kramskoi seine Ausbildung fortsetzte. Von 1864 bis 1871 studierte Repin an der Akademie der Künste in St. Petersburg. Für seine Abschlussarbeit "Auferweckung der Tochter des Jarius" erhielt er die Große Medaille und ein ausgedehntes Auslandsstipendium.

Repin reiste 1873 zunächst nach Italien und hielt sich Rom auf, ehe er sich nach Frankreich begab und mehrere Jahre in Paris aufhielt. Dort setzte er sich anfangs mit dem Realismus auseinander, wie er von Gustave Courbet (1819 - 1877) vertreten wurde. Dann wandte er sich dem Impressionismus zu.

1877 kehrte Repin nach Russland zurück und hielt sich einige Zeit in seiner Heimatstadt Tschugujew auf. Dann ging er nach Moskau. 1878 wurde er Mitglied der "Genossenschaft für Wanderaustellungen", die 1870 in St. Petersburg gegründet worden war. Diese kurz als "Wanderer" bezeichnete Gruppe setzte sich das Ziel, Wanderausstellungen zu veranstalten, um vor allem die Werke der Malerei über die traditionellen Kunstzentren St. Petersburg und Moskau hinaus einem breiten Publikum zugänglich zu machen. In ihrem rund fünfzigjährigen Bestehen zeigte die Genossenschaft ihre Werke neben den beiden erwähnten Städten auch in Charkow, Kasan, Orel, Riga, Odessa und anderen Städten. Die "Wanderer" wurden von dem russischen Kunstsammler Pawel Michailowitsch Tretjakow (1832-1898) maßgeblich gefördert. Inhaltlich traten die "Wanderer" gegen die als überlebt empfundenen Kunstauffassungen und Praktiken der zaristischen Akademie der Künste an. So galten den "Wanderern" auch Darstellungen russischer Landschaften, des Lebens auf dem Lande und geschichtlicher Szenen als geeignete Motive der Malerei.

Professor in St. Petersburg

1882 kehrte Repin nach St. Petersburg zurück, wo er 1894 Professor an der Akademie und 1898/99 deren Rektor wurde. Schließlich zog Repin auf seinen Landsitz "Penaten" in Kuokkala (am finnischen Meerbusen, nördlich von St. Petersburg gelegen). Der Maler wählte "Penaten" zu seinem ständigen Wohnsitz, den er nur für kurze Aufenthalte in der damaligen russischen Hauptstadt oder zu Auslandsreisen verließ. An den politischen Umwälzungen seiner Heimat beteiligte sich Repin nicht. Nach der Oktoberrevolution 1917 kam sein Wohnsitz Kuokkala zu Finnland. Dort ist er im Herbst 1930 gestorben.

llja Repin schuf ein reichhaltiges Werk. So schilderte er Szenen des russischen Alltagslebens (zum Beispiel "Ein gemütlicher Dorfabend", 1891), aber auch gesellschaftliche Ereignisse, außerdem historische Darstellungen. Ein schönes Beispiel für das Leben auf dem Lande zeigte Repins Gemälde "Auf dem Feldweg" mit seiner Frau und den Blumen pflückenden Kindern.

Berühmte Gemälde

“Wolgatreidler“
“Soporoscher Kosaken“
“Selbstverbrennung Nikolai Gogols"

In der Wuppertaler Ausstellung wurden auch Studien zu Repins berühmtem Gemälde "Wolgatreidler" (1872/73) gezeigt, die eine Furt durchschreiten. Außerdem sahen wir u. a. die "Soporoscher Kosaken", die einen Brief an den türkischen Sultan schreiben. Hier schuf Repin eine sehr lebendige Szene mit lachenden Gesichtern, in denen sich der Freiheitswille der Kosaken widerspiegelt. Als Beispiel eines historischen Motivs sei das Bild erwähnt, das die Schwester von Zar Peter dem Großen darstellt, die 1698 in ein Kloster verbannt wurde. Einen erschütternden Eindruck hinterließ Repins Gemälde "Die Selbstverbrennung' Nikolai Gogols" (1909), wo der Schriftsteller vor einem offenen Kamin sitzt und im Wahn den zweiten Band seines Werkes "Die toten Seelen" verbrennt.

Freundschaft mit
Lew Tolstoj

llja Repin war rund 30 Jahre lang mit dem Schriftsteller Lew Tolstoi befreundet, von dem er etwa 70 Darstellungen malte bzw. zeichnete. Repin schuf auch zahlreiche Porträts anderer bedeutender Zeitgenossen, etwa dem Komponisten Anton Rubinstein (1829 - 1894), dem Kunstkritiker Wladimir Stassow (1824 - 1906) und dem bereits erwähnten Kunstsammler Tretjakow.

Die Ausstellung zeigte außerdem 30 Gemälde von zwölf Malerfreunden Repins, darunter Lehrer, Malerkollegen und Schüler. An dieser Stelle wollen wir Wassili Polenow (1844 - 1927) erwähnen, von dem einige sehr schöne Landschaftsbilder zu sehen waren.

Mehr Informationen:

http://www.von-der-heydt-museum.de/portal.htm

http://www.kunstmarkt.com/