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Hans von Marées

Im letzten Sommer zeigte das Von der Heydt-Museum eine große Sonderausstellung zu dem in Elberfeld geborenen Maler. Am 3. September 2008 besuchten wir das Museum zu einer Gruppenführung.

Marées wurde 1837 in der Hofaue geboren, lebte aber ab 1847 in Koblenz, wo sein Vater als Richter arbeitete. Von 1853 bis 1855 studierte der Sohn an der Berliner Akademie, wo er im Atelier des Pferde- und Militärmalers Karl Steffeck (1818-1890) ausgebildet wurde. Hier und in Wörlitz malte Marées vornehmlich Pferdebilder und kleinformatige Landschaften. In der Berliner Zeit entstand auch sein Selbstbildnis von 1855, das im Besitz des Von der Heydt-Museums ist.

Doppelbildnis (1863)
Hans von Marées: Doppelbildnis Marées und Lenbach (1863)


1857 verließ er Berlin und zog nach München um, wo er sich sechs Jahre aufhielt. In der bayrischen Kunstmetropole spielte damals Karl von Piloty (1826-1886), ein Hauptmeister der realistischen Historienmalerei, eine führende Rolle. Marées schuf in den sechziger Jahren einige militärische Genrebilder und Gefechtsszenen mit Motiven aus den Freiheitskriegen. Außerdem malte er damals einige beeindruckende Porträts, bei denen das Licht sich meistens ganz auf die Gesichtszüge konzentriert, während die übrigen Bildpartien fast völlig im Schatten verschwinden. 1863 malte Marées ein faszinierendes Doppelporträt von sich und seinem fast gleichaltrigen Malerkollegen Franz von Lenbach (1836-1904), einem Schüler von Piloty. Auf dem Doppelporträt steht Marées zwar im Hintergrund, aber sein Gesicht strahlt in hellem Licht, während der Kollege vor ihm düster und verschlossen wirkt. Lenbachs Gesicht wird von der breiten Krempe seines Hutes beschattet, seine Augen verbergen sich hinter beschlagenen Brillengläsern.

In München lernte Marées den Grafen Adolf von Schack (1815-1894) kennen, der viele Maler förderte und eine eigene Gemäldegalerie einrichtete. In seinem Auftrag reiste Marées im Herbst 1864 nach Rom, um von vorher festgelegten Werken alter Meister Kopien zu malen. Auch Lenbach erhielt solche Aufträge. Binnen eines Jahres malte Marées je ein Werk nach Vorlagen von Palma Vecchio, Tizian, Veläzquez und Raffael. Aber Marées schuf schon ab dem zweiten Bild keine möglichst detailgetreuen Kopien mehr - im Gegensatz zu Lenbach. Daher kam es zum Bruch mit Schack, der den Romaufenthalt finanziert hatte. Marées geriet anfangs in eine künstlerische Krise, fand aber neue Anregungen zum Malen in der Auseinandersetzung mit der italienischen Renaissancemalerei. Er löste sich nun von anekdotischen und genrehaften Motiven und wählte allgemeingültige, zeitlose Themen. Seine Bilder wurden nun von einer rot-braunen Farbigkeit geprägt, die für seine späteren Schaffensphasen bestimmend wurden.

Konrad Fiedler

Bildnis Konrad Fiedler (1879)

In Rom lernte Marées 1866 den vermögenden Kunstschriftsteller Konrad Fiedler (1841-1895) kennen, der ihm zum Freund und Förderer wurde und ihn geldlich sicherstellte. Fiedler blieb dem reizbaren und verbitterten Künstler bis zu dessen Ende treu. 1867 traf der junge Bildhauer Adolf von Hildebrand (1847-1921) mit Marées und Fiedler zusammen und freundete sich mit beiden an. Die drei Freunde suchten nach der "reinen Form" und beschäftigten sich intensiv mit der Kunst der Antike.

1869 reiste Marées mit Fiedler nach Spanien und Frankreich. In Paris wurde er tief beeindruckt von Bildern von Theodore Gericault und Eugene Delacroix, die ihn zu weiteren Gemälden inspirierten. Ab 1870 hielt sich Marées wieder in Berlin und 1872 in Dresden auf und nahm am gesellschaftlichen Leben teil. In diesen Jahren entstanden wieder manche hervorragende Porträts und Selbstbildnisse.

1873 erhielt Marées den Auftrag, einen Saal der neu gegründeten Zoologischen Station in Neapel mit Fresken auszugestalten. Damit ging sein Wunsch in Erfüllung, seine künstlerischen Ideen auf großen Flächen zu verwirklichen. Marées schuf fünf Alltagsszenen, die das Leben der Menschen am Golf von Neapel darstellten, zum Beispiel die Ausfahrt der Fischer, die Ruderer oder das gesellige Beisammensein der Freunde im Wirtshaus. Der Bildhauer Hildebrand schuf die dekorativen Einfassungen und plastischen Arbeiten. Die Ausstellung zeigte hierzu teils großformatige Ölskizzen in mehreren Versionen, die Marées anfertigte, ehe er die Fresken im Einzelnen unmittelbar auf den nassen Putz malte.

Bild 3

Hans von Marées: Entwurf zum Bild "Das goldene Zeitalter" (1879)

Nach dem Malen der Neapler Fresken hätte Marées gern weitere derartig großflächige Werke geschaffen. Er erhielt aber keine diesbezüglichen Aufträge. Er schuf einige Monumentalgemälde und Triptychen, die aber aus konservatorischen Gründen nicht vom Museum in München nach Wuppertal transportiert werden durften. Thematisch hat Marées, der in seinen späten Jahren den Anspruch hatte, zeitlose Bilder zu malen, oft Motive aus der antiken Mythologie bearbeitet, wie es auch seine zeitweise in Rom lebenden Zeitgenossen Arnold Böcklin (1827-1901) und Anselm Feuerbach (1829-1880) taten. Auf vielen Bildern und Zeichnungen begegnen uns nackte, meist männliche Figuren in oft paradiesischer Landschaft.

Zur Vorbereitung seiner Gemälde fertigte Marées zahllose Ideenskizzen, Vor- und Detailstudien an. Man schätzt, dass es mehrere tausend waren, von denen aber nur ein Bruchteil erhalten blieb, da Marées sie nicht systematisch sammelte. Aber auch die erhaltenen Zeichnungen zeigen eindrucksvoll, wie intensiv der Künstler sich mit der Ausführung seiner Werke beschäftigte.

Marées starb bereits im 50. Lebensjahr im Juni 1887 in Rom und wurde auf dem dortigen evangelischen Friedhof bestattet. Das Grabmal mit einem antikisierenden Relief schuf der Bildhauer Artur Volkmann (1851-1941). Mit ihm hatte Marées in seinem letzten Lebensjahrzehnt eng zusammengearbeitet. Der Maler hatte mehrere Studien für Skulpturen geschaffen, die Volkmann ausführen sollte. So entstand zum Beispiel Volkmanns Ganymed-Skulptur, die auch in der Ausstellung stand.


Mehr über die Marées-Ausstellung im Von der Heydt-Museum:

http://www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=2664

Mehr über das
Von der Heydt-Museum:

http://www.von-der-heydt-museum.de/

Weitere Berichte über das Von der Heydt-Museum in der Vereinszeitschrift des Bürgervereins:


slevogt.html

Ilja Repin.html

barbizon.html