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Ein Fest der Sinne -
Niederländische Malerei und Graphik des 17. Jahrhunderts

Joos de Momper: Hochgebirgslandschaft

Joos de Momper d.J.

1564 Antwerpen - 1635 Antwerpen

Hochgebirgslandschaft, o.J.
Eiche, 46 x 75 cm
Von der Heydt-Museum Wuppertal



Unser Besuch der niederländischen Malerei und was wir darüber lernten...

Im Sommer des 2008 zeigte das Von der Heydt-Museum in einer Wechselausstellung niederländische Malerei und Graphik des 17. Jahrhunderts. Die Exponate stammten zwar aus dem reichhaltigen eigenen Fundus, aber aus Platzgründen können nicht alle Gemälde ständig in der Dauerausstellung gezeigt werden. Am 6. August 2008 besuchte eine kunstinteressierte Schar des Bürgervereins die alten niederländischen Meister.

Als im Jahre 1902 das Elberfelder Museum gegründet und im alten Rathaus am Turmhof aufgebaut wurde, bestand der Sammlungsschwerpunkt aus Landschaftsbildern des 19. Jahrhunderts. Um einen zusätzlichen Schwerpunkt zu schaffen, wurden deshalb gezielt niederländische Gemälde des 17. Jahrhunderts eingeworben. August Freiherr
von der Heydt und später auch sein Sohn Eduard, aber auch Vertreter vieler anderer Familien kamen diesem Anliegen nach schenkten dem Museum nun Werke für diese Abteilung, die im Lauf der Jahrzehnte auf rund 60 Bilder anwuchs.

Im 17. Jahrhundert spielte die niederländische Malerei eine führende Rolle in Europa. Die damals mit Spanien verbundenen südlichen (katholischen) Niederlande waren mit ihrer flämischen Malerei dem Romanischen eng verbunden. Die wichtigsten flämischen Maler arbeiteten am Hof in Brüssel und in Antwerpen. Die Malerei wurde oft in den Dienst des Habsburgerhofes und der Gegenreformation gestellt.

In den nördlichen (protestantischen) Niederlanden, der Republik der Vereinigten Niederlande, entwickelte sich die holländische Malerei, die als erste in Europa weltlichen Charakter hatte. Die nördlichen Niederlande stiegen zeitweise zur führenden See- und Handelsmacht Europas auf und waren Mittelpunkt politisch-freiheitlichen Denkens. So kam es hier auch zu höchster künstlerischer Entfaltung. Allerdings fanden die Maler bei der bilderfeindlichen reformierten Kirche keine Betätigungsmöglichkeiten. Aber es gab in gewissem Umfang öffentliche Aufträge, wenn zum Beispiel repräsentative städtische Gebäude mit Bildern ausgestattet werden sollten. Auch Häuser, in denen karitative Einrichtungen oder Versammlungsstätten der Zünfte und Schützengilden untergebracht waren, ließ man mit Bildern schmücken. Und Angehörige der Oberschicht erteilten Aufträge für Porträts und Historienbilder.

Das Casino-Team

Caspar Netscher
* 1635 oder 1636 Heidelberg , +1684 Den Haag.

Dame am Fenster, 1666 Holz, 46 x 37 cm

Von der Heydt Museum, Wuppertal

Aber die meisten Maler arbeiteten für den Kunstmarkt, der beim städtischen Mittelstand der Zunftbürger seine Kunden fand. Die Ausbildung der Maler, die Anfertigung und der Handel mit Bildern wurden zumeist von den Gilden überwacht, in denen die Maler oft mit anderen Handwerkern (z. B. mit Anstreichern und Färbern) vereint waren. Es gab aber auch schon Kunsthändler, die zahlungskräftige Kunstsammler im In- und Ausland belieferten und auch Bilder importierten. Der rasch wachsende Kunstmarkt führte bisweilen zu Spekulationen und Überproduktionen. Manche Maler konnten ihren Lebensunterhalt nicht mehr mit ihrer künstlerischen Tätigkeit allein verdienen. Es sind Fälle überliefert, wonach einzelne auch als Makler, Gastwirt oder Bierbrauer arbeiteten.

Die Maler erhielten eine solide handwerkliche Ausbildung bei einem Meister, wo sie die Vorbereitung der Farben, Firnisse und Bildträger lernten, ferner das Zeichnen. Angehende Maler fertigten zunächst einzelne Teile eines Bildes an, das manchmal vom Meister vollendet wurde. Oder sie kopierten Werke ihres Ausbilders und durften sich an dessen Aufträgen beteiligen. In größeren Werkstätten führten die Meister oft Musterbücher, aus denen die Auftraggeber Motive auswählen konnten. Manche Künstler spezialisierten sich auch auf einzelne Bildgattungen, indem sie entweder vornehmlich Landschaften oder Figurenbilder oder Stillleben malten.

Die Landschaftsbilder geben nicht unbedingt topografisch getreue Abbilder wieder, da die Bilder stets erst im Atelier gemalt wurden, wo nach Skizzen oder Motivstudien gearbeitet wurde. Beliebt waren aber auch Gemälde mit italienischen oder südlichen Ideallandschaften. Ein Kennzeichen für die damalige niederländische Landschaftsmalerei ist auch, dass sich in jedem Bild menschliche Gestalten finden. Diese wurden nicht selten von speziellen Figurenmalern in das Bild eines Kollegen eingefügt.

Bei den Figurenbildern wurden zumeist Menschen im häuslichen oder gesellschaftlichen Leben in Stadt und Land dargestellt, allerdings wird der Arbeitsalltag nur ganz selten berücksichtigt. Bevorzugt wurden Szenen des Müßiggangs, geselliger Zusammenkünfte und des Sinnengenusses. Dabei finden sich in den Bildern mehr oder weniger deutliche moralisierende Anspielungen.

Floris van Schooten: Frühstücksstilleben mit Käse

Floris van Schooten, 
1580/88-1656

Frühstückstilleben mit Käse, Brot & Früchten, o.J.

Von der Heydt Museum, Wuppertal


Bei den Stillleben unterscheidet man verschiedene Bildtypen. Ein Stillleben kann etwa einen Blumenstrauß oder einen gedeckten Tisch (z.B. mit Käselaibern, Brot und Früchten) zeigen. Bei einem Prunkstillleben werden besonders opulente Gaumengenüsse präsentiert, bei einem Jagdstillleben werden Utensilien zur Jagd und die Beutestücke eindrucksvoll ins Bild gerückt. Allen diesen Sinnenreizen ist aber zugleich deren Vergänglichkeit zu eigen. Manchmal unterstreicht ein Maler dies noch, indem er z.B. überreifes oder angenagtes Obst und kleine tierische Schädlinge mit ins Bild nimmt. Noch intensiver kommt das in den Vanitas-Darstellungen zum Ausdruck, bei denen Sinnbilder des diesseitigen Lebens (wie z.B. Bücher, wissenschaftliche Instrumente, kostbare Dinge aller Art, Spielkarten, Musikinstrumente usw.) und Sinnbilder der Vergänglichkeit menschlichen Lebens (wie z.B. Seifenblasen, Rauch, Blumen, verlöschende Kerzen, Totenschädel oder Spiegel) vor menschlicher Eitelkeit (vanitas) warnen und auf Symbole der Auferstehung (z.B. die Ähre) verweisen.

Jan van Goyen: Teich im Walde

Jan van Goyen
1596 Leiden - 1656 Den Haag

Teich im Walde, 1642
Eiche, 39 x 31 cm

Von der Heydt Museum, Wuppertal
Ein weiteres Themenfeld der niederländischen Malerei ist die Marinemalerei mit ihren Flottenbildern und Seelandschaften. Bei den Darstellungen von Seeschlachten, Flottenparaden und Landungen legte man großen Wert auf detailgetreue Wiedergabe der Ereignisse und der Schiffe, während bei den Seelandschaften die atmosphärische Ausstrahlung von Wasser und Wolken bestimmend war. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es zu einem Umbruch. Viele niederländische Maler wollten sich aus der Einbindung in die mittelalterlichen Zünfte lösen und strebten nach einer theoretisch fundierten Ausbildung im Sinne eines klassischen Kunstideals an Akademien, wie es sie bereits in Rom und Paris gab. Diesen Absichten kamen Änderungen beim Kunstgeschmack der Gemäldesammler entgegen. Sie wünschten sich jetzt nicht mehr die bisher vorherrschenden Bildmotive von Stillleben, Landschafts- und Figurenbildern im Zusammenhang mit bürgerlichen Wertvorstellungen, sondern Bilder, die mehr repräsentative und dekorative Qualitäten aufwiesen. Die Käufer stellten einerseits gehobene Bildungsansprüche an die Bildinhalte, andererseits wünschten sie sich eine glanzvollere Erscheinung der Bilder. So wurden jetzt manche Details einer Landschaft, Häuser oder sogar das weidende Vieh monumental ins Bild gesetzt. Gefragt waren auch italienische Landschaften oder Stillleben mit übermäßigem Prunk. Und bei Bildern mit biblischen oder mythologischen Themen legte man nun Wert auf Darstellungen mit heroischem Pathos und dramatischen Aktionen.


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