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Bericht von der Jahreshauptversammlung 2010


Am 15. März trafen sich wieder viele Mitglieder im Kaminzimmer des Reformierten Gemeindestifts zur Jahreshauptversammlung.

im Kaminzimmer

Ralph Hagemeyer begrüßte als amtierender Vorsitzender die Teilnehmer, die zu Beginn der Sitzung die seit dem vorigen Treffen verstorbenen Mitglieder, deren Namen verlesen wurden, mit einer Schweigeminute ehrten.

In seinem Rechenschaftsbericht erinnerte Herr Hagemeyer eingangs an die große Lücke, die der Tod von Herrn Thias hinterlassen hat. Hans Joachim Thias war bei seiner Tätigkeit immer auf Ausgleich bedacht.

Der Vorstand traf sich allmonatlich zu seiner Sitzung. An besonderen Aktivitäten sind zu erwähnen:

  • Teilnahme am „Langen Tisch" in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein der Elberfelder Nordweststadt-Katernberg,
  • Ausflug nach Köln mit Sonderführung über das Domdach und Besuch des Schokoladenmuseums,
  • Theaterbesuch auf Schloß Burg,
  • Überarbeitung der neuen Vereinssatzung (u.a. Regelung, die die volle Handlungsfähigkeit auch  bei  Ausscheiden   eines  Vorstandsmitglieds erlaubt).

Im übrigen wird für den Vorstand noch nach personeller Verstärkung gesucht. Schatzmeisterin Brigitte Hagemeyer trug anschließend den Kassenbericht vor. Auch die Kassenprüfung verlief vollkommen zufrieden, da alle Buchungen und Belege übersichtlich vorhanden waren. So erfolgte die von Kassenprüfer Gerold Geist beantragte Entlastung der Schatzmeisterin und des übrigen Vorstands einstimmig, bei Enthaltung der betroffenen Kollegen.

Die Wahl des ersten Vorsitzenden war im vorigen Jahr turnusgemäß mit zweijähriger Amtsperiode erfolgt, sie ist aber durch den Tod von Herrn Thias nun wieder vorzeitig fällig. Nach kurzer Beratung erklärte sich Herr Hagemeyer bereit, für die restliche Amtsperiode zu kandidieren. So wurde er jetzt für die Dauer eines Jahres zum Vorsitzenden gewählt.

der neue Vorstand

Schmunzelnde Gesichter nach der Vorstandswahl: Jürgen Schröder, Ralph Hagemeyer, Brigitte Hagemeyer und Michael Dickmann
.

Die übrigen dieses Mal zur Wahl stehenden Ämter erstrecken sich jeweils über die Zeit von zwei Jahren. Zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden wurde der bisherige Beisitzer Jürgen Schröder gewählt. Schatzmeisterin Brigitte Hagemeyer und Schriftführer Michael Dickmann wurden in ihren Ämtern bestätigt. Sie wurden alle ein-
stimmig, bei jeweils eigener Enthaltung, gewählt.

Außerdem wurden Karl Brandau und Peter Trabitzsch als Beisitzer erneut gewählt, während Gabriele Mahnert und Johannes Schlottner erstmals in diesen Kreis kamen.

Die Versammlung beschloss eine Satzungsänderung, die wir bereits oben im Rechenschaftsbericht angekündigt haben.

Anschließend gab es eine Aussprache. Zunächst wurde das Thema „Schauspielhaus" angesprochen, zu dem der Bürgerverein eine eigene Mitgliederversammlung einberufen will. Es geht dabei u. a. um die Frage, ob sich Wuppertal noch zwei Spielstätten für die städtischen Bühnen leisten kann und was man als Bürgerverein unternehmen kann. Außerdem informierte Herr Schneehorst über die Sommerreise ins thüringische Eichsfeld und warb um weitere Anmeldungen. Und schließlich wurde von Mitgliedern aus dem Umfeld Uellenbergplatz/Cäcilienstraße von Parkproblemen berichtet, verursacht von zahlreichen Barmenia-Mitarbeitern, die dort ihre Autos parken. Herr Vitenius schlug zur Lösung das Anwohnerparken vor; der Vorstand des Bürgervereins und die Bezirksvertretung sollten dazu einen Ortstermin machen.


Vortrag von Peter Trabitzsch
„Was tut der Stadtplaner?" 


Den zweiten Teil des Abends gestaltete Peter Trabitzsch mit seinem Vortrag „Was tut der Stadtplaner?" Herr Trabitzsch ist Architekt und war bis zur Pensionierung im Stadtplanungsamt tätig.

Der Beruf des Stadtplaners wird heutzutage aus verschiedenen Richtungen der Wissenschaft anvisiert. Geographen, Soziologen und Statistiker können sich damit befassen, aber auch Politologen, Historiker und Umweltforscher. Trabitzsch kam über den Beruf des Architekten, der alle Lebensbereiche ordnet und gestaltet, zur Stadtplanung.

Wohl des Bürgers
als Ziel

In der kommunalen Verfassung gibt es Regelungen zur Verwaltung einer Stadt, um das Wohl des Bürgers sicherzustellen. In der Demokratie verantworten der gewählte (Ober-)Bürgermeister und die Mitglieder des Stadtrats, dass ihre Tätigkeit zum Wohle der Bürger geschieht. Aber woher wissen sie, was richtig ist? Sie haben das nicht gelernt.

Die Beigeordneten mit ihren Verwaltungen sollten das wissen und sie sollten das gelernt haben. Der Stadtrat hat seine Kompetenzen aber oft so ausgedehnt, dass die Aufgaben der Verwaltungen nach einem Stimmenproporz der gewählten Parteien verteilt werden. So gibt es selten die Zuordnung der Person des Beigeordneten zu der vertretenen Fachaufgabe.

Stadtplaner:
Architekt für die Stadt

Nun kommt der Stadtplaner. Er überschaut alle Aufgabenbereiche und koordiniert sie, um dem Oberbürgermeister das Wissen an die Hand zu geben, das für Entscheidungen notwendig ist. Wie der Architekt für die einzelne Bauaufgabe alle Funktionen der Nutzung koordiniert und dabei das Wohl der Nutzer im Auge hat, macht es der Stadtplaner für die Stadt.

Die Belange der Bürger sind nach Schwerpunkten einzuteilen, die in verschiedenen Kulturepochen auch verschieden sind oder verschieden empfunden werden. Dazu kommt die Unterscheidung von Wunschvorstellungen und Lebensnotwendigkeiten.

Der Stadtplaner stellt zunächst die Lebensnotwendigkeiten zusammen. Er bedient sich dabei der Fachverwaltung und ermittelt zum Beispiel:

  • Bevölkerungszahlen und deren Aufschlüsselung in den Einwohnerämtern,
  • Zahl der Arbeitsplätze und Gewerbeimmobilien durch IHK usw.,
  • Wohnungsbestand  durch  Statistik-Ämter,
  • Freizeiteinrichtungen  durch   Sport-und Grünflächenämter,
  • Schulen, deren Standorte und Schülerzahlen durch das Schulamt,
  • Gesundheitseinrichtungen durch das Gesundheitsamt,
  • Beerdigungsplätze durch die meist kirchlichen Friedhofsämter usw.

Die Ressourcen einer Stadt sind begrenzt, zumal die Fläche innerhalb der Stadtgrenzen eine feste Größe hat und nicht manipulierbar ist. Der Siedlungsraum grenzt sich durch den landschaftlichen Freiraum naturräumlich ab. Die Gewerbestruktur ist sehr schwerfällig und nur in langen Zeiträumen veränderbar. Damit einher geht die Zahl und Qualität der Arbeitsplätze und bestimmt das Steueraufkommen, sodass die städtischen Finanzen nicht beliebig vermehrbar sind.

Belange der Bevölkerung
und Finanzen

Bei sorgfältiger Erhebung und richtiger Schlussfolgerung für Entwicklungen müssten die Belange der Bevölkerung mit den finanziellen Möglichkeit in Einklang zu bringen sein. Fehler, etwa bei der Bemessung der Infrastruktur, bei der Bevölkerungsentwicklung oder bei der Einschätzung der Gewerbestruktur werden sich entweder bald oder aber auch erst in einer Generation oder später drastisch auswirken.

Nach diesen eher grundsätzlichen Ausführungen ging der Referent auf seine konkrete Arbeit in unserer Stadt ein: „Ob der Stadtplaner dabei das Richtige tut, möchte ich darstellen an dem Beispiel meiner Anfangstätigkeit vor 50 Jahren, als ich in Wuppertal Fuß fasste."

  • Die Bevölkerungszahl betrug damals 416.000, man erwartete eine Zunahme auf 450.000 Einwohner.
  • Der  Wohnungsfehlbestand   betrug rund 30.000 Einheiten.
  • Es gab ca. 40.000 Einpendler, die zu ihrem Arbeitsplatz nach Wuppertal fuhren.
  • Es gab noch keine Fernverkehrsstraße in der Region.
  • Die B 7 war noch nicht als Hauptverkehrsstraße ausgebaut.
  • Die Straßenbahnen verfügten über zwei unterschiedliche Spurbreiten.
  • Bei der Bundesbahn waren 35 Bahnhöfe und Stationen in Betrieb.
  • Die Wohndichte betrug bis zu 1.800 Einwohner pro Hektar (in Wichlinghausen und in der Elberfelder Nordstadt).
  • 41 Friedhöfe waren in Betrieb.
  • Die wirtschaftlichen Entwicklungsprognosen gingen von einer aufstrebenden Chemiebranche, Autozulieferindustrie (Kabel, Schlösser und Beschläge),  Werkzeugbranche sowie einer Erhaltung der Textilbranche aus.
  • Durch Zuwanderung aus der sowjetischen Besatzungszone war die Bevölkerungspyramide gesund.

Soweit bestanden die Voraussetzungen für eine in jeder Hinsicht wachsende Großstadt.

Flächennutzungsplan

Der damals aufzustellende Flächennutzungsplan sollte alle Belange überprüfen und den Flächenanteil für die jeweilige Nutzung sichern. Unter Einbeziehung von Ratskommissionen wurde die Arbeit in anderthalb Jahren erledigt und brauchte ein weiteres Jahr für den formellen Beschlussvorgang. Zum Vergleich: der später nachfolgende Plan benötigte wegen erschwerter Bedingungen im Beschlussvorgang etwa die zehnfache Zeit!

Um möglichst abgesicherte Flächenansprüche zu gewährleisten, wurden viele Planspiele durchgeführt über die jeweilige Eignung der vorgesehenen Nutzungen.

Herr Trabitzsch begann damals mit den Gewerbeflächenansprüchen, die unter unter Einbeziehung der Ermittlungsmöglichkeiten der IHK sehr konkret und standortgerecht verteilt wurden - Gebäude- und Grundstücksfläche pro erwarteter Arbeitsplätze.

Landschaftsschutz

Damit der Siedlungsraum gegenüber den naturnahen Landschaft nicht ohne Not ausgedehnt würde, hat der Stadtplaner damals rings um Wuppertal die landschaftsgeschützten Räume neu abgegrenzt; es war für ihn eine Chance, die gesamte umgebende Landschaft kennen zu lernen.

Für die Wohngebiete wurde die Aufgabe gestellt, eine menschenwürdige Siedlungs- und Wohnpolitik statt der überbesetzten Stadtteile zu erreichen. Dazu kamen die Erweiterungen wegen der noch nicht erfüllten Bereitstellung von Wohnungen für die bisher Wohnungslosen sowie den prognostizierten Anstieg der Bevölkerungszahl angesichts so vieler Pendler.

Diese Veranschlagungen habe er nicht selbst leisten können, erläuterte Herr Trabitzsch; er habe dazu das Ergebnis Anderer übernommen.

Für einige ganz neue Siedlungsräume wie Vohwinkel-Südwest, Uellendahl, Nächstebreck usw. mussten durch Erschließungsvorschläge die etwaigen Abgrenzungen zur Landschaft gefunden werden: „Eine genaue Ortskenntnis war notwendig, so dass ich damals mit Dienstwagen und Chauffeur sehr viel unterwegs war. Für die gedankliche Entwurfsarbeit und die Kartierung reichte der Arbeitstag bei weitem nicht."

Eine weitere Aufgabe übernahm Herr Trabitzsch im ersten Jahr in Wuppertal. Das Friedhofswesen sollte radikal geändert werden. Die Erfassung hätte die Erweiterung eines jeden gemeindlichen Friedhofs erfordert, was strukturell unmöglich gewesen wäre. Ein spezieller Arbeitskreis mit allen Kirchengemeinden ließ dann das Vorhaben eines großen kommunalen Friedhofs schließlich scheitern. Die Mentalität der Wuppertaler setzte sich durch.

Fernstraßen

Weitere große Konflikte ergaben sich vor allem bei der Trassierung der Fernstraßen. Die von Düsseldorf aus vorrückende B 326 (heute 46) würde den Stadtteil Vohwinkel zerstören, weshalb die dortigen Bürgervereine Initiativen ergriffen, die auf die Ausgemeindung aus der Stadt Wuppertal abzielten.

Die Bereitstellung von Verkehrsflächen ging oft zu Lasten der Grünflächen und von Kleingärten, über deren Verlagerung sich unsägliche Verhandlungen ergaben. Manche Landwirte hingegen sahen einen Wertzuwachs ihrer Flächen. Ein Anwohner wiederum ließ es darauf ankommen und bremste den Ausbau über Jahre.

Aufbaujahre
vor 1980

Diese Jahre des ungestümen Aufbauens und der Erweiterung des Stadtgebietes waren nie in finanziellerweise in Frage gestellt. Für alles waren Investoren und Geld vorhanden.

Erst ab dem Jahre 1980 stoppten Zweifel an dem Aufschwung und der Bevölkerungssteigerung die Planungs- und Bautätigkeit. Der neue Stadtteil Nächstebreck mit Schwebebahnverlängerung kam nicht mehr zustande. Die Förderungsmaßnahmen des Bundes und des Landes gingen gezielt am Bergischen Land vorbei. Die Rheinachse und das Ruhrgebiet waren die entgegenstehende Zielsetzung.

Die Infrastruktur für Verkehr, Schulen, Sport und Erholung hatte sich indessen für die nicht angestiegene Bevölkerungszahl genügend verdichtet. Die quantitativen Möglichkeiten für die einzelnen Belange waren erfüllt.

Die Einkaufszentren in Barmen und Elberfeld besaßen die größten zusammenhängenden Fußgängerzonen in Deutschland überhaupt.

Doch zum Schluss der knappen Ausführungen fehlt noch eine wichtige Aufgabenstellung für den Stadtplaner, soweit er von Beruf Architekt ist und an Gestaltung denken soll und will. Eine Stadt sieht so aus, wie die Bürger sie verdienen. Das ist eine sarkastische Bemerkung, wenn Defizite erkannt werden.

Stadtplanung
contra Investoren?

Die Bürger haben Anspruch auf eine komplette Beratung. Das gilt genauso für die Beschlussorgane. Sie wären gut beraten mit Gestaltungsplänen, mit Masterplänen, mit Denkmalbereichsplänen, mit Wettbewerbsausschreibungen, mit passender Investorensuche. Ein starker Baudezernent würde das eventuell auch noch schaffen.

Zur Zeit denkt aber der zu entscheidende Teil des Stadtrats anders. Man möchte alles annehmen, was Investoren zu bieten haben. Die Zukunft wird darüber ein hartes Urteil fällen. Ein fliegendes Schriftband über der Stadt müsste verkünden: Schaut nicht so kritisch, wir waren arm!

Wenn alles seine Richtigkeit in der Respektierung der Legislative durch die Exekutive hätte, würde dem Stadtplaner die Rolle auf der Seite der Rechtsetzung zukommen. Er formuliert und stellt in Plänen dar, was der Wille des Gesetzgebers und Satzungsgebers - also des Stadtrates - ist und wacht darüber, dass die Texte und Pläne richtig gelesen werden.

In Zeiten organisierter Korruption würde nur helfen, dass die Planung stetig und verlässlich gehandhabt wird. Jedes Schwanken und Unsicherheiten, die vermeintlich politisch motiviert werden, bringt Ansatzpunkte für Korruption, die den Stadtrat in der Meinungsfestigkeit aufweichen; und dann finden sie Bereitschaft dafür, das Festgesetzte zugunsten der Antragsteller abzuwandeln.

Stadtplanung
gegen
Korruption

Wer vorgaukelt, der Stadt einen Vorteil in Form von Geld oder Investition zu verschaffen, findet Beschlussorgane, die sich über fachlich ausgewogene Abwägungen hinwegsetzen, nur weil sie Mehrheiten aufbieten, die das fachlich Richtige hintansetzen: Erst später stellt sich der Irrtum heraus, wenn der sogenannte Investor über alle Berge ist.

Herr Trabitzsch beendete seine Ausführungen mit einem Vergleich: „Analog dem neuen Slogan für Wuppertal ,Theater macht reich' möchte ich sagen: Stadtplanung macht reich!"