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Die Ausstellung „Der Sturm"


Am 28. März 2012 besuchte unser Bürgerverein mit einer großen Gruppe die Sonderausstellung „Der Sturm - Zentrum der Avantgarde" im Von der Heydt-Museum.

Vor genau 100 Jahren, im März 1912, hatte Herwarth Walden in Berlin die Galerie „Der Sturm" eröffnet, die fast zwei Jahrzehnte lang zu den wichtigsten Galerien für moderne Kunst in Deutschland zählte.

Herwarth Walden wurde 1878 unter dem Namen Georg Lewin als Sohn eines Arztes in Friedrichsberg in der Mark Brandenburg geboren. Die Familie zog schon drei Jahre später nach Berlin um. Nach der Gymnasialzeit wollten ihn die Eltern zum Kaufmann oder Buchhändler ausbilden lassen. Der Sohn wollte aber Künstler werden und begann ein Musikstudium. Er lernte Else Lasker-Schüler kennen und nahm 1901 den Künstlernamen Herwarth Walden an - vielleicht auf Anregung der aus Elberfeld stammenden Künstlerin. Nach deren Scheidung von ihrem ersten Mann heiratete sie 1903 Herwarth Walden. Dieser gründete 1904 den „Verein für Kunst", in dem sich zahlreiche Dichter und Künstler, auch Architekten und Wissenschaftler, trafen. In den nächsten Jahren arbeitete Walden als Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften, fand aber keine dauerhafte Anstellung. So reifte bei ihm der Gedanke, ein eigenes Blatt herauszugeben.

Franz Marc Affenfries
Franz Marc. Affenfries, 1911
Bildquelle: Wikimedia of Commons Marc-monkey_frieze.jpg
Lizenz: Gemeinfrei wegen Tod des Malers vor mehr als 70 Jahren.

Am 3. März 1910 erschien „Der Sturm. Wochenschrift für Kultur und die Künste" mit seiner ersten Ausgabe. Bei der Wahl des symbolträchtigen Titels hat wohl Else Lasker-Schüler entscheidend mitgewirkt. Noch vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der halbmonatliche Erscheinungsrhythmus eingeführt, den Walden später weiter ausdünnen musste. Zuletzt erschien „Der Sturm" im März 1932. Das Blatt wurde zu einem Sammelpunkt für neue Kunstströmungen wie Expressionismus, Futurismus, Kubismus, Dada und Konstruktivismus, die bei der traditionellen Kunstkritik kaum Anerkennung fanden. Neben der bildenden Kunst fanden auch Dichtung, Musik und Theater in der Zeitschrift ein Forum. Das Blatt wandte sich gegen Spießertum und das Gedankengut des Wilhelminismus.

Zwei Jahre nach dem Beginn der Zeitschrift eröffnete Walden am 12. März 1912 in einer zum Abriss vorgesehenen Villa in Berlin seine erste Kunstausstellung mit dem Titel „Der Blaue Reiter, Franz Flaum, Oskar Kokoschka, Expressionisten". Dies war der Anfang der „Sturm"-Galerie, die bis Mitte der Zwanziger Jahre in eigenen Räumlichkeiten viele Ausstellungen bot. Im September 1921 konnte Walden bereits die 100. Ausstellung als "Gesamtschau des Sturm" zeigen. Die Ausstellung des „Blauen Reiter" ging von Berlin aus auf mehrjährige Reise durch verschiedene deutsche Städte und weiter bis nach Ungarn und Skandinavien.

Eine besonders umfangreiche Ausstellung eröffnete Herwarth Walden im September 1913 in einem angemieteten Saal von 1.200 qm Größe unter dem Titel „Erster Deutscher Herbstsalon" mit einer Laufzeit von zweieinhalb Monaten. Die 368 ausgestellten Werke stammten von Künstlern aus Deutschland und zehn weiteren Ländern. Zur Vorbereitung der Ausstellung hatte Walden seit dem Frühjahr 1913 zahlreiche Reisen unternommen, einige Stationen waren Wien, Budapest und Paris, aber auch Barmen und Elberfeld.

Mit dem Leiter des Barmer Kunstvereins, Dr. Richart Reiche, pflegte Walden intensive Kontakte.

Walden mit Frau Nell

Walden mit seiner Frau Nell
Bildquelle: Wikimedia of Commons
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Lizenz: Gemeinfrei: Unbekannter Autor

Als Wegbereiter der Moderne war Herwarth Walden viele Jahre rastlos tätig, wenngleich seine Ehe mit Else Lasker-Schüler schon 1912 zerbrach. Nach der Scheidung heiratete er die Schwedin Nell Roslund. 1916 gründete Walden die „Sturm"-Schule für „Unterricht in der expressionistischen Kunst der Bühne, der Schauspielerei, der Vortragskunst, der Malerei, der Dichtung, der Musik". 1917 wurde die Kunstbuchhandlung „Der Sturm" eröffnet, die Bücher und Kunstgewerbliches führte. Ab 1922 wandte sich Walden verstärkt osteuropäischen Künstlern zu und stellte deren Werke aus. Bereits 1919 hatte sich Herwarth Walden der KPD angeschlossen. Seine politische Orientierung führte zur allmählichen Entfremdung von seiner Frau Nell Walden. 1924 kam es zur Scheidung. Zuvor hatte Walden seine Eigentumsrechte an einer gemeinsamen Kunstsammlung seiner Frau übereignet.

1926 heiratete Herwarth Walden eine Russin, die aber schon nach wenigen Jahren an Lungentuberkulose starb (1930). Walden geriet zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten und emigrierte 1932 in die Sowjetunion, wenige Monate vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten. In Moskau arbeitete Walden am Fremdspracheninstitut. Im Frühjahr 1941 wurde er unter dem Vorwurf der Spionage verhaftet. Wenige Monate später starb er in Saratow.

Die große Sonderausstellung im Von der Heydt-Museum erstreckt sich über die Säle und Räume des ganzen zweiten Obergeschosses und ist thematisch gut gegliedert.

Von der Gruppe des „Blauen Reiter" sind u.a. Werke von August Macke und Franz Marc zu sehen, die beide im Ersten Weltkrieg fielen, außerdem von Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Albert Bloch, der aus den USA nach Deutschland kam und schon in der ersten „Sturm"-Ausstellung 1912 vertreten war. Ein weiterer Schwerpunkt ist Oskar Kokoschka gewidmet, der in den Jahren der Zusammenarbeit mit Walden ausdrucksstarke Porträts schuf.

Die zweite Ausstellung der „Sturm"-Galerie im Frühjahr 1912 widmete Walden den italienischen Futuristen. Diese
Künstlergruppe orientierte sich am 1909 von dem Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti verfassten Manifest, das sich gegen alles Bestehende auflehnte und stattdessen die Schönheit des sich Bewegenden und der Geschwindigkeit proklamierte. Gezeigt wurden Bilder von Umberto Boccioni, Carlo D. Carrä, Luigi Russolo und Gino Severini. In ihren abstrahierenden Gemälden finden sich immer wieder bewegende Elemente, z. B. bei Carräs Bild „Die rüttelnde Droschke".


Henri Rousseau: Die fröhlichen Spaßmacher (The Merry Jesters), 1906
Öl auf Leinwand, 175 x 120 cm
Standort: The Philadelphia Museum of Art, Sammlung Arensberg
Bildquelle: ZENO.org: http://www.zeno.org/nid/2000426469X
Lizenz: Gemeinfrei

In dem schon erwähnten „Ersten Deutschen Herbstsalon" von 1913 bildeten 22 Werke des 1910 verstorbenen Malers Henri Rousseau einen Schwerpunkt. Dieser Künstler war Autodidakt und keiner modernen Stilrichtung zuzuordnen; Rousseau malte Motive der Natur in naiver Weise, detailreich und farbenfreudig. Die Wuppertaler Ausstellung zeigt sein auch 1913 präsentiertes Bild „Die fröhlichen Spaßmacher" mit phantasievollen Tiergestalten. Außerdem waren dort Werke der bereits genannten Künstler des „Blauen Reiter", auch von Marianne von Werefkin, Heinrich Campendonk und Carlo Mense zu sehen. Die italienischen Futuristen wurden bereits erwähnt. Hinzu kamen Werke der russischen Künstler Alexander Archipenko, Michail Larianov und Nathalie Gontscharowa. Robert Delauny und seine Frau Sonia Delauny-Terek sowie Marc Chagall waren auch im Herbstsalon vertreten, ferner die Pariser Kubisten Albert Gleizes und Jean Metzinger. Aus der Prager Künstlerszene kamen mehrere Vertreter hinzu. Von allen diesen Künstlern werden auch in der Wuppertaler Ausstellung Werke gezeigt.

Schon von Anfang an stellte Herwarth Walden auch Werke von Künstlerinnen aus, als ihnen noch die Ausbildung an öffentlichen Akademien in Deutschland verwehrt war und sie auf private Ateliers und Kunstschulen ausweichen mussten. Außer den schon genannten Malerinnen sei hier noch an die Niederländerin Jacoba von Heemskerck erinnert, deren „Komposition Nr. 2" mit einer abstrakt-kristallinen Farbstruktur im Herbstsalon gezeigt wurde. Von dieser Künstlerin zeigt die Wuppertaler Schau auch farbige Holzschnitte. Außerdem sei noch die Belgierin Marthe Donas genannt, deren Bilder sich vom Kubismus zum Konstruktivismus hin entwickelten. Ihre Werke waren in den frühen zwanziger Jahren in der „Sturm"-Galerie ausgestellt. In der heutigen Ausstellung beeindrucken insbesondere ihre Bleistiftzeichnungen mit kubistischen Porträts.
Der Maler Kurt Schwitters schloss sich der Dada-Bewegung an, deren Vertreter sich unter dem Eindruck der Schrecken des Weltkriegs seit 1916 gegen alle Konventionen in Kunst und Literatur auflehnten, da diese völlig fadenscheinig geworden seien. Seine Text- und Bildcollagen bezeichnete Schwitters als „Merzmalerei". Das Kennwort MERZ entnahm er einem Collagefragment eines Inserats der „Kommerz- und Privatbank". Schwitters stellte diese Kunstrichtung im Sommer 1919 mit einem Beitrag in der Zeitschrift „Der Sturm" und dann in vielen Ausstellungen der Kunstgalerie bis 1928 vor.

Die Ausstellung im Von der Heydt-Museum zeigte noch Werke zahlreicher weiterer Künstler, die hier nicht alle aufgeführt werden können. Abschließend sei noch die Gruppe der deutschen Konstruktivisten erwähnt, zu denen Willi Baumeister, Walter Dexel und Erich Buchholz zählen.

Mehr Informationen:

Weitere Berichte auf der Webseite des Bürgervereins über das von der Heydt-Museum:

Über Alfred Sisley: sisley.html
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Über Claude Monet: monet.html


Über Hans von Marées: marees.html

Über Max Slevogt: slevogt.html

Über Ilja Repin: Ilja Repin.html

Über die Malerschule von Barbizon: barbizon.html

Webseite des Von der Heydt-Museums:
http://vdh.netgate1.net/