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Eine Seilbahn vom Hauptbahnhof in die Höhen

Einstieg in die Kabine

Einstieg in die Kabine. Foto: Doppelmayr

Während mit dem Umbau des Hauptbahnhofs derzeit die Anbindung Wuppertals nach außen neu gestaltet wird, laufen an anderer Stelle ehrgeizige Pläne zum Verkehr im Stadtinneren: Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) und mehrere Partner erwägen ein Projekt, das für Aufsehen sorgen könnte – eine Seilbahn vom Hauptbahnhof auf die Höhen.

Konkret geht es zunächst um die Uni. Studenten aus dem Tal oder von auswärts kommen derzeit per Bus auf den Grifflenberg. Er führt durch die Straßen der Südstadt und braucht um die zehn Minuten – wenn kein Schnee liegt. Die ambitionierte Idee: Kabinen für etwa 30 Personen könnten an Seilen hoch über dem Stadtverkehr den Weg zur Uni erschließen – kaum anfällig für Wetterprobleme und in gerade einmal drei Minuten. Und es würde weitergehen: Zur Idee gehört zudem eine Fortsetzung der Seilbahn-Strecke nach Küllenhahn zum Schulzentrum Süd – Zeitvorteil hier: 11 statt 30 Minuten.

Das ist freilich noch Zukunftsmusik. Über bloße Gedankenspiele ist man dennoch weit hinaus: Neben WSW und Uni unterstützt unter anderem der Fahrgastverband "Pro Bahn Bergisches Land" den Ansatz. Daneben untersuchten Studenten des hiesigen Fachgebiets "Öffentliche Verkehrs- und Transportsysteme" bereits 2013 in einem Seminar die Chancen vor Ort und gaben eine erste positive Einschätzung. Für die detaillierte Beurteilung pro oder contra Seilbahn ist eine Machbarkeitsstudie, die 2014 ausgeschrieben worden war, inzwischen zu einem grundsätzlich positiven Ergebnis gelangt.

Diesen Januar präsentierte zudem ein führendes Seilbahnunternehmen Interessierten am Campus Haspel, was in einer Stadt wie Wuppertal technisch möglich ist, und pries die Vorzüge seines Produkts: Stündlich bis zu 4.000 Personen könnten dann auf die Südhöhen oder zurück transportiert werden. Für Wuppertaler Bedingungen bietet sich demnach eine "fahrplanfreie Einseil-Umlaufbahn" an, wie es im Fachjargon heißt. Das hieße: Kontinuierliches Pendeln zwischen den drei Stationen – man könnte sagen: ein wenig wie bei der Ausflugsbahn über die Wupper auf Schloss Burg.

Um einmal bei Vergleichen mit beliebten Fahrzeugen der Region zu bleiben: Am prominentesten "Bezugsobjekt" im Bergischen zeigt sich allerdings auch mancher Knackpunkt der Seilbahn-Pläne, der noch wichtig werden könnte – gemeint ist natürlich die Schwebebahn. Mancher Wuppertaler hat zur "alten Dame" ja schon skeptische Nachfragen von Ortsfremden erlebt: "Was soll denn diese Gondel? Da kann man doch nicht aussteigen!", fragte einst eine Münchnerin den Verfasser dieser Zeilen verständnislos. Für die Schwebebahn ließ sich damals leicht aufklären, dass bekanntlich zwischen Barmen und Vohwinkel durchaus Ausstiegsmöglichkeiten bestehen ... Aber bei einer Uni-Seilbahn? In der Tat ist ja zwischen Start im Tal und Schluss in Küllenhahn nur eine Zwischenstation geplant, eben an der Uni.

Innenansicht

Innenansicht Foto: Doppelmayr

Das passt erst einmal nicht recht zusammen mit den Ergebnissen des oben erwähnten Studentenseminars, wo sich zum (auch ökonomisch wichtigen) Thema "Einbindung ins Verkehrsnetz" vorläufig die Feststellung fand: "Durch den Seilbahnbetrieb können abschnittsweise Buslinien entfallen." Explizit für entbehrlich hielt man dort unter anderem die Linie 645 von Hauptbahnhof bis Schulzentrum Süd. Wie aber so die Haltestellen bedienen, die auf dem Weg liegen?

Antworten muss es für weitere Problemfelder geben, etwa Fragen des  "Überfahrtrechts": Wo Leitungen für die Seilbahn über private Grundstücke führen, wären deren Eigentümer und ihre Interessen zu berücksichtigen und womöglich Entschädigungen zu zahlen.

Sicher ist, es gibt noch viel zu klären. Eine Seilbahn zur Uni quer durch die Luft wäre sicherlich praktisch, modern und auch ein Imagegewinn für Wuppertal-Elberfeld und die Elberfelder Südstadt, aber das Projekt steht eben nicht im luftleeren Raum.
 Martin Hagemeyer

Mehr Informationen:

Weitere Aufsätze in der Vereinszeitschrift:

Darf eine Seilbahn Wohngebiete überschweben?
seilbahnWohngebiet.html
...falls nicht: Planung von alternativen Seilbahntrassen.

Bürgerinteressen und Seilbahn: Transparenz der Planung gefordert.
seilbahn2.html

Der Bürgerverein wird die Diskussionen fordern, fördern und strukturieren
seilbahnVitenius.html

Gesichtspunkte Pro und Kontra zur Seilbahn:

Initiativseite der WSW mobil GmbH:
www.seilbahn2025.de

Verein der Seilbahnbefürworter:

Verein der Seilbahngegner:

Beitrag von Professor Fiedler im Forum des Bürgervereins:
FiedlerEndfassung.html

Wikipedia zur möglichen Seilbahn in Wuppertal
https://de.wikipedia.org/wiki/Seilbahn_Wuppertal


Machbarkeitsstudien:

Studie der Universität von 2013

Seilbahngesetz NRW: Es gibt in NRW ein Seilbahngesetz. Es ist aber wenig aussagekräftig. Es regelt hauptsächlich die behördlichen Zuständigkeiten (Bezirksregierung oder Ministerium), die beim Bau und Betrieb von Seilbahnen zu beachten sind:




Ende September 2016 wurde unter organisatorischer Betreuung des Berliner Nexus-Instituts ein Bürgergutachen zur Seilbahnplanung erstellt. Die 62 beteiligten Bürger haben sich mehrheitlich für die Fortführung der Planung ausgesprochen. Eine Mehrheitsempfehlung für den Bau der Seilbahn ist damit nicht automatisch ausgesprochen.  Das Gutachten ist ab November allen Bürgern zum Herunterladen und Lesen verfügbar.
Einzelheiten:


Ende Oktober 2016 hat der Rechtsanwalt Dr. Hagmann von der Kanzlei Baumeister Rechtsanwälte in Münster in einem Gutachten die Frage untersucht, ob es für den Standort Wuppertal einen rechtlichen Gesichtspunkt geben könnte, der für die Genehmigung der Seilbahn ein unüberwindliches Hindernis darstellen würde. Ein solches Hindernis wurde nicht gefunden. Aus dieser Perspektive gesehen kann die Planung der Seilbahn weitergehen, sofern sich der Rat der Stadt Anfang 2017 dafür entscheidet.

Einzelheiten:

Seit Januar 2017 ist der Kostenrahmen für den Seilbahnbau unsicherer denn je. Verschiedene Gutachten kommen zu unterschiedlichen Preisvorstellungen. Statt 50 Millionen könnten es jetzt über 100 Millionen werden. Die Stadtverwaltung will sich in den kommenden Monaten um Klarheit bemühen. Erst dann soll der Rat der Stadt entscheiden, ob die Planungen weitergeführt werden sollen. Eine verlässliche Kostenschätzung ist unabdingbar für den Förderantrag an das Land. Kommen die WSW mit der im Genehmigungsbescheid verfügten Summe nicht aus, bleibt die Stadt auf den Mehrkosten sitzen. So ist es leider bei der Baustelle Döppersberg geschehen.