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Ein Ausflug zum "Arboretum" der Bergischen Universität

Wuppertal ist Deutschlands grünste Großstadt ? so war es im September 2013 in der Zeitschrift HÖRZU zu lesen. Für Pflanzen-Freunde im Tal vielleicht nichts Neues: Von Wuppertals Gesamtfläche entfällt ein Drittel auf Wälder oder Parks, hinzu kommen noch Äcker und Kleingärten. Grund genug, sich einmal dem Grün in der Elberfelder Südstadt zu widmen.

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Heute im Blick: Das Gelände der Bergischen Universität mit seinem "Arboretum".

Der Hauptcampus ist in Wuppertal zwar stärker von Natur geprägt als an manch anderer Hochschule: Studierende und Lehrende kennen die Hanglage am Grifflenberg mit den Wiesenhügeln, von denen das akademische Leben hier umgeben ist. Dennoch würde wohl kaum jemand das Gebiet allein daher "Grünanlage" nennen. Guten Grund gibt es trotzdem dafür, auch wenn er nicht sofort ins Auge fällt: Seit 2012 hat die Uni das heutige Arboretum mit 92 Baumarten.

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Der lateinische Begriff steht für das gezielte Anpflanzen von Bäumen unterschiedlicher Arten. So gibt es in Wuppertal das Arboretum im Burgholz, ein imposantes Wald­gebiet voll exotischer Gewächse aus aller Welt. Anders die Grifflenberger Variante: Nicht nur dass viele Bäume hier ob ihres jungen Alters als doch noch recht zarte Pflänzchen anmuten, die man ohne die Hinweisschilder fast übersehen würde. Auch das Konzept ist ein anderes: Statt einer Exoten-Schau geht es hier ganz im Gegenteil um solche Arten, die hierzulande heimisch oder zumindest typisch für die Vegetation sind.

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Studieren am lebenden Objekt: So könnte man die Absicht auf den Punkt bringen, die den hiesigen Fachbereich Biologie motivierte, das Arboretum zu planen und zu realisieren. Man könnte es auch Baum-Lehrpfad nennen, bestätigt Prof. Dr. Gertrud Lohaus, Fachgebiet Molekulare Pflanzenforschung und Pflanzenbiochemie. Sie zeichnet verantwortlich für die Anlage, die in ihrer heutigen Artenvielfalt in insgesamt drei Schritten aufgebaut wurde ? der letzte war besagte Erweiterung von 2012. Die Expertin erzählt: Schon bald nach dem Bau der Uni in den Sechzigern hatte man zwar begonnen, das Gebiet der einstigen Schreinerswiese neu zu begrünen; ihre Bebauung hatte mancher als Eingriff in die Landschaft kritisiert. "Aber durch Bäume hat das Uni-Gelände sich dadurch nicht ausgezeichnet", stellt Lohaus fest.

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Für angehende Biologen ist es wichtig, die Baumarten des Lan­des zu kennen. Zwar ist die Arten­vielfalt in Städten auch heute noch groß. Doch es erstaunt nicht, dass junge Großstädter heute lange suchen müssten, bis sie 92 verschiedene Baumarten zu Gesicht bekämen. Immerhin: Für das heutige Arboretum musste man nicht bei Null beginnen, sondern ergänzte fehlende Arten zum schon vorhandenen Baumbestand. Einzelpersonen und Firmen nahmen sich je eines Baums als Spender an ? und Dozenten griffen selbst zur Schaufel.

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Die "Rotblühende Rosskastanie" ist eines dieser Gehölze, die sichtlich nicht erst ein paar Jahre auf dem Campus gedeihen. Blühen tut sie so früh im Jahr zwar nicht, aber schon mit ihrer schroffen Rinde ist sie wenige Schritte von der Uni-Bibliothek entfernt ein würdiger Anfangspunkt für eine Baum-Tour. Sie ist Nummer 1 und heißt  botanisch "Aesculus x carnea" ? so sagt es nicht nur das Schildchen in der Erde, sondern auch der hübsche Leitfaden "Uni-Arboretum": Farbig bebildert und im Taschenformat, wird das Heft vom Fachbereich herausgegeben und ist für 4 Euro erhältlich. Ein Lageplan in der Heftmitte lädt zu Entdeckungen quer über den Campus ein. Wer talwärts an der Kastanie vorbeikommt, kann im weiteren Verlauf an Hand der Broschüre über Wege und Treppen rund die Hälfte der Baumarten finden. Für den Rest muss der interessierte Besucher sich auf Höhe des Uni-Haupteingangs halten und die Max-Horkheimer-Straße Rich­tung Hochschul-Kindergarten spa­zieren.


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Not macht erfinderisch: Letzten Advent fand sich an sonst kahlen Zweigen diese spontane Dekoration.

Auch wenn so manche Stämme dem Ungeübten zunächst zum Verwechseln ähnlich scheinen: Schnell schaut man sich ein. Und hat vielleicht schon einmal das Glück, ein Blatt zu erspähen und zum Beispiel Nummer 55 am Kindergarten damit richtig als "Feldahorn" zu identifizieren ? wer die markante Zackenform nicht sowieso kennt, lässt sich vom Büchlein helfen. Ein besonderer Fall, denn dieser "Acer campestre" ist ganz offizieller "Baum des Jahres 2015". Jedes Jahr verleiht eine Fachstiftung unter Schirmherrschaft des Bundesumweltministers an eine andere Art diese Auszeichnung.

Denn nicht zu vergessen: Bäume, ihre Pflege und Präsentation sind auch ein Thema der Politik. Die Vereinten Nationen haben die Jahre von 2011 bis 2020 zur "Dekade der Biodiversität" erklärt; die biologische Artenvielfalt soll im laufenden Jahr­zehnt also weltweit besondere Unterstützung erfahren. Zur Erhal­tung bedrohter Arten kann das Uni-Arboretum zwar nicht beitragen ? aber doch zur Aufmerksamkeit: Neben Hochschulangehörigen kön­nen hier auch Südstädter Bürger und sonstige Naturfreunde durchs Jahr verfolgen, wie heimisches Holz wächst und gedeiht. Eine schöne Idee auch für einen Frühlingsspaziergang ? und für einen guten Kaffee nach so viel Erkunden liegt ja die Uni-Kneipe gleich am Weg.

Übrigens: Den Bau der Universität auf der Schreinerswiese hat damals nicht nur unser Bürgerverein begrüßt und unterstützt. Auch aus Sicht der Artenvielfalt war das damals umstrittene Projekt laut Gertrud Lohaus alles andere als von Nachteil: "An dieser Stelle wäre sonst vermutlich ein bodensaurer Buchen- oder Buchenmischwald", resümiert die Expertin pragmatisch ? und diese Baumsorte gibt es in Deutschland schon mehr als jede andere. Auch in puncto Vielfalt hat dieser Teil des "grünen Wuppertal" so gesehen durch die Uni sogar ganz deutlich zugelegt.
Fotos + Bericht: Martin Hagemeyer
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Baum-Stadtspaziergang durch Elberfeld