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Kleingarten Hatzenbeck

100 Jahre Kleingärten in der Elberfelder Südstadt:
Hatzenbeck e.V. seit 1916


Unser Elberfeld Süd zählt zu den am meisten durchgrünten Stadtteilen. Die Quartiere mit der höhergeschossigen Mietshausbebauung werden gut ergänzt durch öffentliche Kleingartenanlagen. In 15 Vereinsgeländen mit 543 ha Fläche haben rund 1000 Kleingärtner ihre Einzelparzelle.

Sehr direkt zu der Hochbebauung der Ravensberger Straße liegt die Gartenanlage der Hatzenbeck, als Verein eingetragen seit 1916, vor einhundert Jahren. Die sehr lange Vereinsgeschichte ist mehrfach 1966, 1976, 1991 und zuletzt 2006 zu den Jubiläen aufgeschrieben worden und zwar vom Verfasser dieses Artikels, der dort auch dazugehört.

Bau in der Gartenanlage

Früher rekrutierten sich die Kleingärtner vielfach aus der nahen Umgebung, vowiegend aus den Eisenbahnerhäusern, aber auch Straßenbahn-, Schwebebahn- und Busfahrern, auch Beschäftigte der Bühnen, alles solche mit Schichtdienst. In den mittleren Jahren waren jüngere Familien mit mehreren Kindern die Nutzer.

Wahrscheinlich nicht ausschlaggebend war bei der Gründung in den Kriegsjahren die Ernährungsnot, die sprichwörtlichen Kohlrüben Winter. Der Anbau von Kartoffeln auf kleinsten Ödflächen war mehr ein dankbarer Nebeneffekt. Vielmehr der Zeitgeist, nämlich die Befreiung des Menschen aus dem Druck der Enge der Wohnküche, deren Klischee in der Fernsehreihe mit dem Ekel Alfred treffend bedient wurde, sowie eigentlich die Reformbewegungen der Bürgerschaft seit der Jahrhundertwende auf allen Gebieten des sozialen Verhaltens war der Ausdruck der Flucht in den Freiraum.

Ob Sportbetätigung, Wanderbewegung, Freikörperkultur, Reisefreude, Mobilität mit Fahrzeugen, oder eben Gartenverein, in der engen Stadt als Ergebnis der Bodenspekulation hatten diese Freiraumwünsche oft keinen Platz.

Die bebaute Stadt war klar abgegrenzt. Die in der Umgebung immer öfter aufgelassenen Landwirtschaften waren nicht gleich Bauland. Gebaut werden durfte nur dort, wo Stadträte die sogenannten Fluchtlinienpläne beschlossen und die Erschließung durchgeführt hatten.

Spekulanten kauften vorsorglich Landwirtschaften - in Elberfeld der Familien Friedrich, Lombeck, Schreiner, Krüger, Rave, Maier und Ernenputsch, wie sie etwa hießen, auf und warteten auf Baurecht. Die Stadt EIberfeld hatte auch Ideen und komplettierte ihren Grundbesitz, z.B. weil ein Zoologischer Garten vorgesehen war.

Als es zu Baurecht nicht sobald kam, waren die Spekulanten bereit, Pachtland für Kleingärtner bereit zu stellen.

Der preußische Staat wollte städtebaulich alles regeln und gab Vorschriften heraus für den Bedarf, die Verträge und den Zweck von Gartenanlagen. Außerdem sollte die Pachtzahlung begrenzt werden.

Die Stadt Elberfeld hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Vorbildfunktion und förderte die Bereitstellung von Kleingärten.

Die Südstadt-Gärten waren in versprengten Gruppen entlang der Ravensberger Straße und im Tal der Hatzenbeck bereits vorhanden, als es zur Eintragung des Vereins im Kriegsjahr 1916 kam. Die Parzellen waren klein und zum Teil im steilen Hang angeordnet. Die Pacht betrug 2-3 Pfennig/Jahr, also bei etwa 5 Reichsmark pro Jahr fast für jeden erschwinglich. Lauben wurden - wenn überhaupt - aus Recycling-Material hergestellt. Der Kleingärtner kann alles gebrauchen, sagte man. Das war ja auch sein Begehren, anders, als in der Wohnküche endlich so richtig "knöstern" zu können, d.h. kreativ sein zu dürfen.

Die Denkungsart und der Wertekatalog für kleingärtnerische Nutzung war vor einhundert Jahren so modern, dass er in die heutige Zeit fast übernommen werden müsste, die sogenannte Magna Charta des Kleingartenwesens:
  1. Der Kleingarten ist ein wertvolles, einfaches, kostengünstiges Mittel zur Förderung der Familie, wirtschaftlich wie erzieherisch.
  2. Das Bedürfnis danach ist in größeren Gemeinden mit größter Wohndichte am höchsten.
  3. Die Gemeinde soll im eigenen Interesse für geeignete Flächenbereitstellung in Nähe der Wohnungen sorgen.
  4. Die Verpachtung soll sich am landwirtschaftlichen Zins orientieren.
  5. Unterverpachtung und ZinsspekuIation ist zu unterbinden.
  6. Langfristige Verträge sollen Vorzug haben oder Zusicherung von Entschädigung für Investitionen.
  7. Umzäunung und Wasserversorgung sind zu gewährleisten.
  8. Kinderreiche und arme Familien sollen bevorzugt werden.
  9. Innerhalb der Gärten soll Spielraum für Betätigungsdrang gelassen sein, soweit nicht Einschränkungen aus Gründen von Sittlichkeit, Gesundheit und Ästhetik erfolgt.
  10. Mit Verpachtung unmittelbar an Gartenbesitzer, Vermittlung über gemeinnützigen Verein sind wichtige Ziele der Volkserziehung zu erreichen.
  11. Jugendpflege ist mit der Anlage von Familiengärten zu verbinden.
  12. Im Interesse der Gemeinde ist, dass auch private Verpächter die Leitsätze beachten und Ausbeutung in wirtschaftlicher Hinsicht unterbleibt. Die Gemeinde muss daher Einfluss nehmen auf Verpächter.
  13. Der Staat und Unternehmen sollten nach vorstehenden Grundsätzen Land verpachten.
  14. Gesundheitsträger, Berufsgenossenschaften, Sozialversicherungen sollten Investitionen unterstützen und fördern.
Diese Leit- und Grundsätze wurden am 4. April 1916 verabschiedet.

Gartenansicht

Fast hätte man sich jegliche Gesetzgebung in den nachfolgenden einhundert Jahren sparen können.

Die Aufgabe der Erziehung sollte ausgebaut werden. Die Verbreitung mit Schulung zu Umweltbewusstsein, Schonung des Grundwassers, der Atemluft, der Pflanzenartenvielfalt, des Lärmschutzes und der Achtung und Rücksicht auf Nachbarn wurden genannt.

Gemeinschaftsarbeit und Teilnahme an Veranstaltungen zur Schulung sind unverzichtbar.

In den letzten Jahren haben immer öfter Gartenfreunde einen Garten gepachtet, die aus fernen Ländern gekommen sind. Es bleibt neugierig zu werden, welche Form des Gartens ihre Gewohnheit ist. Die rein ästhetische Form der Gestaltung, wie sie einem Foto aus der Zeitschrift "Film und Frau" gemäß wäre, ist ganz sicher nicht ihr Stil. Welches Gemüse sie anbauen, wird der Anforderung ihrer Küche entsprechen. Wichtig für diese Familien wird aber sein, möglichst viel Kontakt mit Nachbarn aufzunehmen, um in der Sprache sicher zu werden.

Es sind in einigen Vereinen in jüngster Zeit Tendenzen zu beobachten, dass Sommerfeste, Erntedankfeste und Nikolausfeste eingespart werden, weil der personelle Aufwand zu hoch sei. Diese Tendenz konterkariert das Bemühen, mit neuen Nachbarn warm zu werden.

Es zieht bei diesem Verzicht nicht einmal, dass Einnahmen für den Verein zu erwvarten sind, welche für Investitionen gebraucht werden. Lieber bezahlen sie höhere Beiträge, als für Arbeitseinsätze bereitzustehen. Eine traurige Entwicklung, wenn man sich erinnert, wieviel Spaß, Stolz und Glückshormone frei werden bei auch noch so anstrengender Arbeit in der Gemeinschaft.

Im Falle der Hatzenbeck ist die erste reguläre Wegeerschließung im Kriegsjahr 1916 von französischen Kriegsgefangenen durchgeführt werden. In den Annalen klingt die Erwähnung so als ob man hämisch dem erbitterten Feind die schwere Fronarbeit gönnt. Heute möchten wir umdenken und gern aus ehemaligen Feinden Freunde gewinnen, indem man behilflich ist und ihnen freundlich begegnet. Der Verfasser denkt dabei auch an die Denkmäler für das Gedenken an schmachvolle Friedensverträge, aus denen Revanche erzeugt und neue Kriegshetze entstanden waren.

Dass die in Handarbeit geschehene Erd- und Pflasterarbeit körperlich sehr schwer war, erfuhren die Mitglieder der Hatzenbeck, als sie 1960 eine wesentliche Umplanung und Erweiterung der Kleingärten auf die Weideflächen der Erben Krüger vornahmen.

Gartenansicht

Auch die bisherigen 40 Parzellen wurden in der Fläche auf durchschnittlich 300 m² aufgerundet. Es ist das Erfahrungsmaß für einen gut zu bewirtschaftenden Familiengarten. Heute werden nur noch unter öffentlicher Regie Erschließungen durch Gewerbeunternehmen vorgenommen. Die Hatzenbeck hat die öffentliche Hand außer fachlichen Ratschlägen nichts gekostet. Der Abbruchschutt der Deutschen Bank lieferte damals das Wegbaumaterial. Manchmal legt der Regen alte Bauteile wieder frei.

Die Pflicht zur Teilnahme an Schulungen rechtfertigt, dass die meisten Vereine ein Heim benutzen, das sie selbst gebaut haben.

Das erste Vereinsheim der Hatzenbeck war ein winziger Schuppen, wie eine kleine Gartenlaube. Bei der Erweiterung wurden dann alle Lauben beseitigt.

Die neue Vereinslaube war eine kostenlose Baustelleneinrichtung. Als von dieser allmählich der Holzboden durchgetanzt war, musste ein größeres Vereinsheim geplant und gebaut werden. Um nicht eine einzige Gartenparzelle zu opfern, wurde der eigentlich baulich nicht nutzbare Steilhang der Ravensberger Straße in Anspruch genommen. Die Böschungsneigung verlangte außergewöhnliche Tricks zur Fundamentierung. Die Abmessungen wurden abgeleitet von den Maßen zweier Stahlbaudachbinder vom Schrottplatz. Der Planungsentwurf (Architekt war der Autor dieses Artikels) durfte jedoch keine Risiken enthalten und war auf die Handwerksfertigkeiten der Laienarbeitskräfte abgestellt.

Damals, etwa 1965 bis 1970, hatten fast alle Mitglieder mit angefasst. Es ist so gut wie keine Bau- und Ausbauleistung vergeben worden. Eine unbedeutende Barsumme wurde auf die Mitglieder umgelegt. Ein beispielloses Gemeinschaftswerk!

Das entstandene schmucke, vorbildliche Vereinshaus dient, außer den Veranstaltungen des Vereins, auch den Familienfesten der Mitglieder.

Eine Zeitlang benutzte der Bürgervereinsvorstand Räume für Sitzungen.

Das Leben in der Kleingartenanlage wirkte nach draußen relativ unauffällig. Störungen gingen allenfalls von hämmernden Arbeiten oder von Rauch bei der Verbrennung von Gestrüpp oder Kartoffelkraut aus.

Diese Zeit hat sich gewandelt und heute sind es Maschinengeräusche von Kettensägen oder den schlimmen Laubsaugern. Der Rauch wird entwickelt auf den Terrassen bei den zahlreichen Grillabenden mit saftigen Koteletts, die sich fast jeder leisten kann.

Damit keine Störungen Überhand nehmen können, hat jeder Kleingärtner eine Gartenordnung unterschrieben, die der Kreisverband für alle Vereine einheitlich geregelt hat. Von dort wird auch der Pächterwechsel organisiert mit den Entschädigungsansprüchen.

Die ganze Organisation des Stadtverbandes wurde in den Jahren nach 1970 notwendig für eine komplette Reform. Die Vorstände von Springen, Hatzenbeck und Ostersberg waren damals die Reformer. Zum Beispiel der bekannte Wandertag durch Kleingärten wurde erfunden. Der Verein Osterberg auf Schreiners Wiesen war ebenso alt wie die Hatzenbeck, musste aber für den Bau der Uni aufgegeben und geräumt werden. Viele Mitglieder bildeten den Grundstock für die stadtbildprägende Anlage Vorm Eichholz.

Als Vorbild diente die Hatzenbeck über mehrere Jahrzehnte in mancher Hinsicht. Die jährlich ausgeschriebenen Wettbewerbe der Anlagen für die wirksamste Gemeinschaftsleistung, für die Gestaltung und Pflege der Gärten, für die Jugendarbeit sowie für die verantwortungsvollen Umweltbemühungen sahen mehrfach die Hatzenbeck auf dem Siegertreppchen, zweimal sogar an der obersten Spitze für den Wanderpreis.

Der Ehrgeiz für solche Anstrengungen ist vielleicht bei der heutigen Besetzung der Kleingärten nicht anzutreffen. Gerade deshalb lohnen sich aber der Rückblick und das Gedenken an ein insgesamt für unsere Stadtbevölkerung und ins Besondere für die Südstadt sehr wertvolles Wirken und die Existenz der Kleingärtner in der Hatzenbeck.

Peter Trabitzsch
Mehr Informationen

Webseite des Kleingartenvereins Hatzenbeck:  - nicht bekannt -

Bericht über den Kleingartenverein Edelweiß in der Vereinszeitschrift 1 / 2013

Zahlreiche Informationen findet der Leser auf der Webseite des Stadtverbandes der Gartenfreunde. Insbesondere ist die Liste der Kleingärten in Wuppertal zu erwähnen. In diesem Zusammenhang sollte der Leser auch


Webseite der Stadt Wuppertal zu den Kleingärten: