BürgervereinElberfelderSüdstadt BürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadt BürgervereinElberfelderSüdstadt BürgervereinElberfelderSüdstadt

Abenteuer Barbizon

Barbizon ist ein Dorf nahe der Stadt Fontainebleau, etwa 60 km südöstlich von Paris gelegen. Berühmt wurde es durch eine Malerkolonie, die sich hier um die Mitte des 19. Jahrhunderts ansiedelte. Ihr widmete das Von der Heydt-Museum eine Sonderausstellung, die wir am 19. April besuchten.

Von Künstlern entdeckt wurde Barbizon zufällig im Jahre 1824, als sich zwei Maler, die den befreundeten Direktor der Porzellan-Manufaktur von Fontainebleau besuchten, in einem nahe gelegenen Wald bei einem Abendspaziergang verirrten. Sie folgten im Dunkeln dem Klang der Kuhglocken und gelangten so nach Barbizon, wo sie in einem Stall übernachteten, da es noch keine Herberge gab. Am folgenden Tag erkundeten die beiden Zufallsgäste den nahen Wald. Er gefiel ihnen so gut, dass sie beschlossen, vorerst am Ort zu bleiben.

Bald kamen weitere Künstler in den Sommermonaten nach Barbizon. Ein

Intime Landschafts-
malerei

Ehepaar, das im Dorf den Krämerladen betrieb, richtete in seinem Haus Zimmer für Logiergäste ein. So konnten die Maler hier länger verweilen und sich der Landschaftsmalerei widmen. Sie begründeten die Strömung der intimen Landschaftsmalerei (Paysage intime), die sich oft mit bescheidenen Naturausschnitten in den Bildern begnügte, zum Beispiel einzelnen Bäumen oder Holzfällern, die deinen Baumstamm zersägen. Diese Maler lösten sich von der im Klassizismus geltenden Auffassung, erfundene und heroische Landschaften auf die Leinwand zu bringen. Viele von ihnen verzichteten auch auf die bis dahin üblichen Studienreisen nach Italien, um klassische Landschaften zu malen.

Es waren zahlreiche Maler, die sich etwa in der Zeitspanne von 1830 bis 1870 im Wald von Fontainebleau aufhielten. Als die bedeutendsten von ihnen gelten sieben Künstler: Jean-Baptiste Camille Corot (1796-1875), Jean Francois Daubigny (1817-1878), Narcisse Virgile Diaz de la Pena (1807-1876), Jules Dupre (1812-1889), Jean-Francois Millet (1814-1875), Théodore Rousseau (1812-1867) und Constant Troyon (1810-1865).

Corot als
Hauptvertreter

Corot, der älteste von ihnen, hatte noch den klassischen Weg mit mehrjährigem Italienaufenthalt (1825-28) beschritten und in seine Landschaften oft Nymphen und antike Idealfiguren als Staffage eingefügt. In Rom widmete er sich Antikenstudien, im Umland schuf er etwa 150 Freilichtstudien, von denen er manche Motive später in großformatige Ölgemälde übernahm. Corot gilt als ein Hauptvertreter der französischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Er hatte eine Vorliebe für poetische Stimmungslandschaften, die er in zarten Morgen- und Abendstimmungen in silbrigem Grau und verschwimmender Atmosphäre darstellte.

Daubigny, der jüngste von den hier genannten Malern, schloss sich nach 1840 dem Kreis in Barbizon an. Er gehört zu den Entdeckern der französischen Landschaft und zu den Wegbereitern der realistischen intimen Landschaftsmalerei. Er gilt als der Maler des ruhig fließenden Wassers, der sanften Ufer und der blühenden Obstbäume. Von allen Barbizonmalern hat er die Grundsätze der Freilichtmalerei am vollkommensten verwirklicht und auch großformatige Bilder unmittelbar in der Natur gemalt. Zu diesem Zweck ließ er sich 1856 ein Wohnboot bauen, von dem aus er die Seine und Oise malte. Ab 1860 wohnte er in Auvers-sur-Oise, wie später auch Cézanne und van Gogh.

Abbildung 1

Virgilio Nardsse Diaz de la Peña: Der Teich der Feen, Wald von Fontainebleau, um 1845/50.

Diaz de la Peña wurde im Alter von dreizehn Jahren bei einem Streifzug durch die Wälder von einer Schlange ins Bein gebissen, das daraufhin amputiert werden musste. Wenige Jahre später machte er eine Lehre als Kolorist in einer Porzellan-Manufaktur. Hier erkannte man seine künstlerische Begabung, und ab 1825 erhielt er Malunterricht bei je einem Landschafts- und Historienmaler. Fünf Jahre später gab Diaz seine feste Anstellung in der Porzellan-Manufaktur auf und widmete sich ganz der Landschaftsmalerei. Zunächst malte er Bilder mit historischer und orientalischer Thematik. 1835 reiste er erstmals nach Barbizon. Hier entwickelte er sich zum poesievollen Landschaftsmaler mit besonderer Neigung für stimmungsvolle Waldinterieurs, die oft von Nymphen, Bauernkindern oder anderen ländlichen Wesen belebt sind. Diaz bevorzugte kleine Formate. Seine Motive fand er im Wald von Fontainebleau, dessen Schönheit er mit bezaubernder Leichtigkeit schilderte. 1864 ermutigte er Auguste Renoir, mit helleren Farben und in der freien Natur zu malen.


Dupré

Auch Dupré war, wie Diaz, ursprünglich Porzellanmaler. Bei einem Aufenthalt in England 1834 lernte er die Werke von William Turner und John Constable kennen. In Frankreich reiste Dupre durch viele Provinzen und wandte sich ganz der intimen Landschaftsmalerei zu. Als feiner Beobachter von atmosphärischen Erscheinungen malte er gern Wolkenbildungen und Lichtwirkungen am Himmel. Seine Landschaften sind oft von drohendem Sturm und Gewitter, gewaltigen Bäumen und dunklen Gewässern geprägt. 1845 übernahm er ein eigenes Atelier in I'isle-Adam. Er zog sich aus dem Kreis der Schule von Barbizon zurück und begab sich ans Ufer der Oise und in den Wald von Compiegne, wo er nun malte.


Millet

Millet stammte aus einer bäuerlichen Familie. Diese Herkunft spiegelte sich immer wieder in der Wahl der Motive in seinem Werk wider. Er studierte u.a. an der Ecole des Beaux-Arts in Paris bei dem Historienmaler Paul Delaroche und befasste sich im Louvre mit den alten Meistern. 1840 ließ er sich im heimatlichen Cherbourg und zwei Jahre später in Paris als Porträtmaler nieder. Wegen finanzieller Schwierigkeiten schuf er außerdem Bilder mit mythologischen und biblischen Themen. Ab 1848 malte er Motive aus der ländlichen Arbeitswelt. Als im Jahr darauf in Paris die Cholera grassierte, zog er um nach Barbizon. In seinen Bildern finden sich sozialkritische Darstellungen der Landarbeit. Ab 1860 rückte bei Millet die reine Landschaftsmalerei in den Vordergrund. Er unternahm Reisen nach Vichy und in die Normandie und fertigte auch viele Pastellzeichnungen an.


Rousseau

Théodore Rousseau, stammte aus Paris und wurde Landschaftsmaler. Mit seinen Freunden Diaz und Dupré ging er öfters in den Wald von Fontainebleau. Er unternahm aber auch Reisen in die Auvergne, die Normandie und die Bretagne, ehe er sich 1847 endgültig in Barbizon niederließ. Rousseau hatte sich intensiv mit den alten Niederländern beschäftigt und ihren Aufbau der Landschaften, Stimmungen und Farben studiert. Er besaß etwa 50 Grafiken niederländischer Meister. Rousseau wurde zum geistigen Führer der "Schule von Barbizon". Sein Werk gilt als entscheidender Wegbereiter von der heroisierenden Romantik zur nationalen realistischen Landschaftsmalerei in Frankreich. In seinen Bildern dominiert die Natur, deren Zustände und Stimmungen er eindringlich und genau wiedergab. Als wesentliches Gestaltungsmittel diente ihm dabei das Licht. Rousseau hat als erster eine Landschaft vom selben Blickpunkt aus zu unterschiedlichen Tageszeiten gemalt. Ein Hauptmotiv ist der von der untergehenden Sonne beleuchtete Waldrand. Er skizzierte seine Bilder in der Landschaft, führte sie aber erst im Atelier aus.


Troyon

Constant Troyon erhielt als Sohn eines Porzellanmalers seine künstlerische Grundausbildung bei zwei in der Porzellan-Manufaktur von Sèvres tätigen Malern. Anfang der 1830er Jahre bekam er Kontakt zu den Künstlern von Barbizon. Troyon malte viele Jahre reine Landschaftsbilder, teils in ungewöhnlich großen Formaten. 1847/48 reiste er in die Niederlande, wo er die alten Meister des 17. Jahrhunderts studierte, und nach Belgien. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich entwickelte sich Troyon mehr und mehr zum reinen Tiermaler, reine Landschaftsbilder schuf er nur noch selten.


Fotografen

Außer den Künstlern kamen auch Fotografen seit den 1840er Jahren in den Wald von Fontainebleau und nach Barbizon. Auch sie waren fasziniert von den Motiven, die ihnen die Landschaft und das dörfliche Leben boten. Mit ihren schweren Kameras - damals noch mit Holzgehäusen konstruierte Plattenkameras für großformatige Glasnegative - zogen sie auch in den Wald und schufen eindrucksvolle Aufnahmen, die heute in Museen aufbewahrt werden.

Sieben Fotografen sind in diesem Zusammenhang zu besonderer Bedeutung gelangt: Alfred Briquet (1833-1880), Eugène Cuvelier (1837-1900), Constant Famin (1827-1888), André Giroux (1801-1879), Gustave Le Gray (1820-1884), Charles Marville (1816-1878) und Charles Nègre (1820-1880).

Briquet veröffentlichte zwischen 1854 und 1880 mehrere Mappen mit Fotografien aus dem Wald von Fontainebleau und vom Versailler Schloss.

Cuvelier lernte schon früh die Maler der Schule von Barbizon kennen. Er ließ sich 1859 am Rande des Waldes von Fontainebleau nieder, wo er immer wieder Aufnahmen machte. In ihrer schönen Ausgewogenheit ähneln manche den Gemälden des Freundeskreises von Millet, Rousseau und Corot.

Famin war ein Spezialist von Naturaufnahmen im Wald von Fontainebleau sowie von Genreszenen im ländlich-bäuerlichen Umfeld, wo er auch öfters Kinder und Tiere in die Bilder einbezog.

Abbildung 2

Constant Alexandre Famin: Im Wald bei Fontainebleau, 1870

Giroux erhielt 1825 ein Stipendium für historische Landschaftsmalerei und hielt sich bis 1830 in Rom auf, wo er gemeinsam mit Corot und anderen italienische Landschaften und Genrebilder schuf. Bei seinen Fotografien wandte er teilweise eine Mischtechnik an, indem er die Negative im Himmel oder in der Landschaft veränderte.

Le Gray studierte zunächst Malerei. Später entwickelte er verschiedene fotografische Verfahren. Zusammen mit Charles Nègre fotografierte er um 1849 erstmals Baum- und Landschaftsmotive im Wald von Fontainebleau. 1860 schloss er sein Fotoatelier in Paris und floh wegen hoher Schulden nach Ägypten, wo er als Zeichenlehrer an Fachschulen arbeitete.

Marville wurde durch Fotos von Skulpturen, Ansichten des Rheins und der Pariser Architektur bekannt. In der französischen Hauptstadt dokumentierte er den Zustand der Quartiere, ehe für die Umgestaltung und Modernisierung durch Baron Haussmann zahlreiche Häuser abgerissen wurden.

Nègre fertigte zunächst Zeichnungen und Gemälde, wandte sich aber ab 1844 verstärkt der Fotografie zu. Durch seine Straßen- und Genreszenen von Paris wurde er zum Pionier der Momentfotografie.

Die reichhaltige Ausstellung zeigte Gemälde, Zeichnungen und Fotografien in anregenden Zusammenstellungen. Der Wald von Fontainebleau, von der französischen Regierung zur Rodung freigegeben, wurde auf Ersuchen der Künstler gerettet. Napoleon III. ließ es 1853 als Naturschutzgebiet ausweisen - ein frühes Beispiel einer Bürgerinitiative für Umweltschutz.

Mehr Informationen zum Museum:

www.von-der-heydt-museum.de/

Weitere Berichte des Bürgervereins über Ausstellungen des von der Heydt Museums: