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Die Wertstofftonne

Am 21. Juni luden die Bürgervereine der Elberfelder Nordweststadt-Katernberg und der Elberfelder Südstadt erstmals zu einer gemeinsamen Veranstaltung in den Dorrenberger Hof ein. Manfred Lichtleuchter, der Vorsitzende der Nordweststädter, konnte auch einige Teilnehmer aus der Südstadt begrüßen.

Wolfgang Herkenberg, Chef der Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH Wuppertal (AWG)informierte uns zum Thema Wertstofftonne, die der Gesetzgeber auf Bundesebene einführen will, um einen höheren Anteil an Wertstoffen, von denen manches heute noch im Hausmüll landet, der Wiederverwertung zuzuführen.

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Mit Temperament erläuterte Wolfgang Herkenberg die verschiedenen Stufen der Wertstoffsammlung in Wuppertal. Neben ihm Manfred Lichtleuchter und Peter Huter vom Vorstand des Nordweststädter Bürgervereins

Herkenberg erläuterte zunächst die heutige Situation in Wuppertal. Flächendeckend und in festen Intervallen wird in kommunalem Rahmen der Restmüll und der Biomüll haushaltsnah aus den einschlägigen Tonnen eingesammelt; auch Sperrmüll und Papier werden regelmäßig in allen Straßen abgeholt. Hinzu kommen die privatrechtlichen Sammlungen der Leichtverpackungen und der Glasverpackungen. Die AWG hat den Ausschreibungswettbewerb für vier Jahre gewonnen und sammelt daher auch die Materialien mit dem „grünen Punkt" aus der „gelben Tonne" vor den Haustüren ein, während Glas nur in den Containern an den Wertstoffsammelplätzen erfasst wird, die es im ganzen Stadtgebiet gibt.

 Für die kommunale Schadstoffsammlung wird ein spezielles Schadstoffmobil eingesetzt, das in regelmäßigem Turnus alle Stadtteile bedient. Für Alttextilien gibt es eigene Container an vielen Wertstoffsammelplätzen unserer Stadt. Außerdem wird Strauch- und Astwerk jeweils im Frühjahr und Herbst in den Außenquartieren gesammelt, während Weihnachtsbäume nach den Feiertagen im Januar haushaltsnah abgeholt werden.

Ergänzt werden die mobilen Sammlungen von den 5 Recyclinghöfen in Wuppertal, wo man - mit Ausnahme von Restmüll - Papier und Sperrmüll, Bauschutt, Leichtverpackungen, Glas und Alttextilien abgeben kann, ferner alte Elektrogeräte, Grünschnitt, Strauch-und Astwerk, Kork, CDs bzw. DVDs, Leuchtstoff- und Energiesparlampen, Dispersionsfarben und manches weitere, was im Abfallkalender aufgelistet ist.

Wohin kommen die von der AWG eingesammelten Materialien? Der Hausmüll, der im Jahre 2009 ein Volumen von knapp 67.000 t hatte, wird zum Müllheizkraftwerk Wuppertal (früher Müllverbrennungsanlage genannt) auf der Korzert gebracht und verbrannt. Dabei wird elektrische Energie erzeugt, die an die Wuppertaler Stadtwerke verkauft wird. Außerdem fällt bei der Verbrennung Asche an, aus der Metalle und Schlacke als Baustoffe gewonnen werden, während die schädlichen Filterstäube auf Deponien gelagert werden. Der Sperrmüll (2009 wog er gut 23.000 t) wird zu einer Sortieranlage in Bochum gebracht; aus den Materialien werden Ersatzbrennstoffe, Metalle und Holz genutzt.

Die Bioabfälle (2009 wogen sie knapp 13.000 t) stammen in der Hauptsache aus den Biotonnen und aus den Grünschnittsammlungen der Recyclinghöfe. In einer Kompostierungsanlage in Velbert wird daraus Kompost gewonnen.

Die Leichtstoffverpackungen (2009 landeten rund 7.500 t in den gelben Tonnen) kommen in Sortieranlagen, wo die Metalle von Kunststoffen getrennt werden. Aus den Altmaterialien werden u. a. neue Stahl- und Aluminiumerzeugnisse hergestellt, Ersatzbrennstoffe und Regranulate.

Altpapier und Kartonagen (2009: rund 22.000 t) wandern in die Sortieranlagen von Papierfabriken, wo sie wieder zu Papier und Pappe verarbeitet werden; Zeitungen und Hygienepapier enthalten heute zu einem großen Teil Recyclingmaterial.

Altglas (2009: rund 7.000 t) wird von den Glashütten eingeschmolzen und für neue Glasprodukte genutzt. Aus der Asche des Müllheizkraftwerks wurden 2009 rund 3.000 t Metalle gewonnen, zu denen noch 668 t kamen, die in den Recyclinghöfen abgegeben wurden. Sie werden in verschiedenen Qualitäten in Stahlhütten verwertet.

Knapp 70.000 Elektrogeräte wurden 2009 von der AWG eingesammelt, darunter 14.300 Kühlschränke, knapp 10.000 Geräte „Weiße Ware" sowie etwa 45.000 Fernseher und Bildschirme. Diese Geräte werden in Zerlegeanlagen auseinandergenommen; ihre Bestandteile werden als Metalle, Schrott und Ersatzbrennstoffe (Kunststoff) genutzt.

Altkleider wurden 2009 im Umfang von 727 t der AWG überlassen und zu Sortieranlagen gebracht. Noch tragbare Textilien werden als Secondhand-Ware wiederverwertet, während der Rest zu Reinigungstüchern verarbeitet wird.

Ab 2015 will der Bundesgesetzgeber, so erläuterte Herr Herkenberg, eine „fünfstufige Abfallhierarchie" einführen. Damit sollen die derzeit noch im gemischten Restmüll befindlichen Wertstoffe getrennt erfasst werden. Erstmals soll dann per Bundesgesetz vorgeschrieben werden, dass Biomüll, Glas, Metall, Papier sowie Kunststoff getrennt gesammelt werden müssen. Die gewerblichen Sammlungen bei haushaltsnah erfassten Abfällen (also z. B. Papier, Verpackungen, Bioabfälle) sollen erleichtert werden. Die Verwertung der stofflich und energetisch nutzbaren Anteile hat unter Beachtung wirtschaftlich vertretbarer Maßnahmen zu erfolgen.

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Blick in den Saal des Dorrenberger Hofs


Der Gesetzentwurf zur Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts zieht die Einführung einer flächendeckenden Wertstofftonne zwar in Erwägung; ob es aber dazu kommt, ist noch nicht sicher. Bisher waren derartige Festlegungen dem Landesrecht und den kommunalen Satzungen vorbehalten.

In der Fachöffentlichkeit ist, wie uns der AWG-Chef erläuterte, ein besonders heftiger Streit über Verantwortung, Art und Umfang der ausgeweiteten Wertstoffsammlung entbrannt. Der Begriff der Wertstofftonne werde nicht definiert, und es sei bei weitem nicht geklärt, welche Stoffe darin gesammelt werden sollen. Dies habe aber erheblichen Einfluss auf den kommunalen Abfallstrom: „Die Menge der Materialien, die über die Wertstofftonne dem kommunalen Abfallstrom entzogen werden, ist nicht unerheblich. Gerechnet wird in der Spitze - und je nach Ausgestaltung der Wertstoffsammlung - mit bis zu 30 kg pro Einwohner und Jahr. Zusätzlich mit den bereits jetzt eingesammelten 30 kg pro Einwohner und Jahr von Verpackungsmaterialien, wären das in Wuppertal immerhin fast 25 Prozent (60 kg x 350.000) des kommunalen Hausmüllaufkommens (bei ca. 90.000 Tonnen Haus- und Sperrmüll) im Jahr."

Der Gesetzgeber will, so Herkenberg, die erweiterte Wertstoffsammlung im Wesentlichen den Marktkräften überlassen, während die Kommunen und mittlerweile auch die Mehrheit der Länder eine Sammlung unter kommunaler Verantwortung befürworten. Kritisch sei hierbei, dass die private Entsorgungswirtschaft primär die Wertstoffe anpeile, die werthaltig sind und die heute zur Gebührenstabilisierung der kommunalen Betriebe verwendet werden. Zur Erhöhung der Rendite werde bei privaten Unternehmen vielfach Lohndumping betrieben und auf Zeitarbeitsunternehmen zurückgegriffen.

Herkenberg warnte auch vor dem vor allem von privaten Entsorgern erweckten Eindruck, dass getrennt erfasste Kunststoffe tatsächlich stofflich verwertet werden könnten: „Das Gegenteil ist richtig. Nur ein verschwindend geringer Anteil von sortenreinen Kunststoffen wird tatsächlich zu Produkten gleicher Qualität. In der öffentlichen Diskussion wird vergessen, dass es sicher grundsätzlich sinnvoll sein kann, Wertstoffe außerhalb der grauen Tonne zu erfassen; allerdings wurde bisher keine Lösung dafür aufgezeigt, wie die Wertstoffe nachhaltig verwertet werden können. Letztendlich ist eine getrennte Sammlung und Sortierung und dann nachfolgende Verbrennung sinnlos, wenn diese Materialien doch direkt in einem Müllheizkraftwerk hochwertig thermisch verwertet werden könnten."

In Wuppertal werden Bioabfälle bereits flächendeckend gesammelt. Allerdings nutzen nur solche Haushalte die „braune" Tonne, die sich freiwillig zur Teilnahme entschlossen haben. Dies hat, so der AWC-Chef, den Vorteil, dass die Bioabfälle „hochwertig" sind und zu einem Gütekompost weiter verarbeitet werden können, da sich in den Tonnen kaum Störstoffe finden, die aussortiert und anderweitig entsorgt werden müssten. Diese gute Qualität wäre aber nicht mehr gewährleistet, wenn alle Haushalte ihre Bioabfälle in der gesonderten Tonne sammeln müssten. Bei der AWG hält man daher die bisherige Regelung für effektiver. Im Hinblick auf mögliche Änderungen im Zuge der erweiterten Wertstoffsammlung setzt man bei der AWG auch in Zukunft auf „Mono-Sammlungen" für einzelne Müll- bzw. Wertstoffgruppen, da sie sich bewährt haben und die Möglichkeit zum hochwertigen Recycling verbessern. Schon in Kürze will die AWG die Sammlung von Kleinelektrogeräten intensivieren. Hierzu wird in Zusammenarbeit mit der Umweltverwaltung der Stadt geprüft, ob dazu auch neue Behälter an den ca. 450 Containerstandplätzen für Wertstoffe im Stadtgebiet geeignet wären. Bisher werden solche Altgeräte schon an den Sperrmülltagen haushaltsnah sowie an den Recyclinghöfen und in Kooperation mit dem Elektroeinzelhandel gesammelt, aber viele Teile landen wohl doch noch im Restmüll, da aus der Asche der Müllverbrennungsanlage auch Nichteisenmetalle aussortiert werden.

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Auch Mitglieder des Südstädter Bürgervereins besuchten die Veranstaltung.


Mehr Informationen:

Einladung zum Besuch der Abfallwirtschafts-GmbH:

2012muellverbrennung.html


Webseite der Abfallwirtschafts-GmbH:

http://www.awg.wuppertal.de