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Diesel, Benziner oder was?

ln vielen deutschen Großstädten ist die Luft massiv verunreinigt.

Überschreitungen Stickoxide
In Wuppertal wird der Grenzwert 40 µg/m³ für das Schadstoffgas NO2 an mehreren Stellen regelmäßig überschritten. In der Elberfelder Südstadt ist der Messpunkt Steinbeck 92 ebenfalls oft betroffen. Extrem-Messwerte bis zu 80µg/m³ sind dort vereinzelt im Jahr 2015 aufgetreten.

Quelle:  Luftmessbericht Wuppertal 2015

Die europaweit gültigen Schadstoffgrenzwerte der Luft werden zum Teil 10-fach überschritten. Veranlasser der Verunreinigungen sind zwar nicht nur die Autos mit Diesel- oder Benzinmotoren, auch Busse und Industrieabgase tragen etwa zur Hälfte hierzu bei. Die Abgasvorschriften für die Industrie werden daher immer einschneidender und damit teurer. So Mancher behauptet, dies schade auf Dauer der Exportnation Deutschland.

Die Abgase von Diesel- oder Benzinautos in Städten kann man radikal vermeiden, indem man Fahrverbote für alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren einführt. Das will natürlich niemand. Außerdem müsste für den Fall von Fahrverboten fürs PKWs die Anzahl der Busse erhöht werden, um die dann steigende Anzahl der Fahrgäste aufzunehmen. Die WSW planen für die Zukunft allerdings mit abgasfreien Brennstoffzellenbussen.

Zu fragen ist, ob man durch den Übergang von Diesel- oder Benzinautos auf Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb oder mit Brennstoffzelle derzeit realistisch das Abgasproblem in den Griff bekommen kann. Von den Anschaffungskosten hierfür zunächst einmal ganz zu schweigen.

Selbst wenn alle Tankstellen mit ausreichender Anzahl von Stromauflademöglichkeiten versehen würden, dauert die volle Aufladung leerer Akkus derzeit normaler Weise sehr, sehr viel länger als die Betankung mit Benzin oder Diesel. Einem normalen Urlaubsfahrer oder beruflichen Vielfahrer kaum zuzumuten. Die abgasfreie Brennstoffzelle ist für Linienbusse sicherlich eine gute Idee, weil die Busse jeden Tag exakt die gleiche Streckenlänge zurücklegen und die Betankung des Wasserstoffs nahezu kostenfrei in der Müllverbrennungsanlage erfolgen wird.

Für den PKW-Fahrer ist dies dagegen unrealistisch, außer wenn man in München wohnt. Denn Wasserstoff-Tankstellen gibt es in ganz Deutschland laut ADAC nur etwa zwei Dutzend. Oft müsste man mehrere 100 Kilometer weit fahren, nur um aufzutanken (außer in München, wo es bereits 6 Wasserstofftankstellen geben soll [In der Wuppertaler Tankstelle Schmiedestr. gibt es auch Wasserstoff zu tanken {Anmerkung der Redaktion}] ).

Schema Hybridantrieb

Bild von Hastdutoene (Eigenes Werk)
Lizenz   via Wikimedia Commons

So wird der sog. Plugin-Hybrid, der Elektroantrieb und Benzinantrieb in einem Auto vereinigt, und bei dem die Fahrbatterie z.B. immer nachts an der Garagensteckdose oder tagsüber auf dem Hof des Arbeitgebers aufgeladen wird, auf absehbare Zeit für so Manchen die einzige zumutbare Alternative sein müssen. Mit diesem fährt man in der Stadt mit reinem Strom, über Land dagegen, wo es die massiven Luftverunreinigungen nicht gibt, mit den bisherigen fossilen Treibstoffen. Der Strom wird nicht in der Stadt produziert und belastet daher deren Luft nicht, wenn nur der Elektromotor läuft. Vielmehr wird der Strom grundsätzlich nur außerhalb der großen Städte hergestellt, wo es die massiven Luftverunreinigungsprobleme nicht gibt.

Sicherlich eine Übergangstechnologie, nichts für die Ewigkeit, aber für viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte. Die höheren Anschaffungskosten gegenüber dem reinen Benzinauto werden zum erheblichen Teil durch staatliche und Herstellerprämien wieder aufgefangen. Zumindest wer sich in nächster Zeit ohnehin ein anderes Fahrzeug kaufen will und nicht ganz knapp haushalten muss, sollte den Plugin-Hybrid in Erwägung ziehen, den inzwischen alle großen Hersteller anbieten. Und den er jedenfalls auch in Städten benutzen dürfte, wenn es dort zu Fahrverboten käme.

Sollten in x Jahren Auf"tank"möglichkeiten für Strom oder Wasserstoff an allen Tankstellen bestehen und die Auf"tank"geschwindigkeit insbesondere einer leeren Fahrbatterie erheblich erhöht werden, dürfte nichts mehr gegen das reine Elektro- oder Brennstoffzellenauto sprechen. Zumal Elektromotoren viel einfacher gebaut sind als Benzin- oder Dieselmotoren. Elektromotoren haben z.B. keinen Anlasser, keine Zündkerzen, keine Einspritzpumpe, sind daher nicht so reparaturanfällig wie unsere bisherigen Autos und werden auf Dauer in Großproduktion auch preiswerter.

Ralph Hagemeyer
Mehr Informationen:

In der Elberfelder Südstadt (Steinbeck 92) betreibt die Stadt eine Messstation für die Luftverunreinigung mit Stickoxid. Dort und an 11 weiteren Messstellen in der Stadt wurde im Jahr 2015 laut


der von der EU als zulässig erachtete Grenzwert von 40 μg/m³ NOx überschritten. Der höchste Monatsextremfaktor der Überschreitung war 2,1 (in Ronsdorf).
Nach Erkenntnissen der Bezirksregierung in Düsseldorf könnten die Überschreitungen kurzfristig nur mit Fahrverboten für Dieselfahrzeuge vermieden werden.

Bei Feinstaub wurden an den vorhandenen Messstellen in Wuppertal keine Überschreitungen von zulässigen Grenzwerten gemessen.

Die Bundesregierung unternahm im Jahr 2017 erste Anstrengungen, Fahrverbote wegen überhöhter NOx-Konzentration der Luft zu vermeiden.
Nationales Dieselforum:
Gesprächs- und Beschlusstermine mit Beteiligung der Autoindustrie zur Abwendung der Gefahr.
Fonds: Nachhaltige Mobilität für die Stadt:
Förderprogramme zur verbesserten Luftreinhaltung und für nachhaltige Mobilität.
Bereitstellung von Geldmitteln zur Förderung der Luftreinhaltung und der nachhaltigen Mobilität.
Die Landesregierung NRW unterstützt das "Nationale Dieselforum" und will Fahrverbote für Dieselfahrzeuge vermeiden.

Der Wuppertaler Oberbürgermeister Andreas Mucke hat am "Diesel-Gipfel" der Bundesregierung teilgenommen und freut sich, dass der Bund einen "Green City"- Plan zur Reinhaltung der Luft mit 293.750 Euro fördert. Er kritisiert zugleich, dass die Stadt für die aus dem Green City Plan abgeleiteten Maßnahmen einen finanziellen Eigenanteil aufbringen soll.