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Eine Seilbahn vom Hauptbahnhof in die Höhen
Pläne in Bürgerbefragung abgelehnt


Mit einer groß angelegten Befragung wollte die Wuppertaler Verwaltung von ihren Bürgern wissen, ob sie den Bau einer Seilbahn unterstützen. Am 26. 5. 2019 wurden die Stimmzettel ausgezählt. Die Antwort war ein klares NEIN.  61,6 Prozent der Befragten lehnten das Projekt ab. Nur 38,4 Prozent waren dafür. Über 135.000 Wuppertaler machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch.
Ein eindeutiges Votum, das auch von Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) sofort anerkannt wurde. "Das Thema hat sich erledigt. Das Ergebnis 60:40 ist eindeutig. Jetzt müssen wir uns den anderen Themen widmen, den ÖPNV und Radverkehr zu stärken ", sagte er.

Einstieg in die Kabine

Einstieg in die Kabine. Foto: Doppelmayr

Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) und mehrere Partner hatten ehrgeizige Pläne, die für Aufsehen sorgen sollten – eine Seilbahn vom Hauptbahnhof auf die Höhen.

Konkret ging es zunächst um die Uni. Studenten aus dem Tal oder von auswärts kommen derzeit per Bus auf den Grifflenberg. Er führt durch die Straßen der Südstadt und braucht um die zehn Minuten – wenn kein Schnee liegt. Die ambitionierte Idee: Kabinen für etwa 30 Personen könnten an Seilen hoch über dem Stadtverkehr den Weg zur Uni erschließen – kaum anfällig für Wetterprobleme und in gerade einmal drei Minuten. Und es würde weitergehen: Zur Idee gehört zudem eine Fortsetzung der Seilbahn-Strecke nach Küllenhahn zum Schulzentrum Süd – Zeitvorteil hier: 11 statt 30 Minuten.

Das bleiben ab sofort nur noch Gedankenspiele: Neben WSW und Uni unterstützte unter anderem der Fahrgastverband "Pro Bahn Bergisches Land" den Ansatz. Daneben untersuchten Studenten des hiesigen Fachgebiets "Öffentliche Verkehrs- und Transportsysteme" bereits 2013 in einem Seminar die Chancen vor Ort und gaben eine erste positive Einschätzung. Für die detaillierte Beurteilung pro oder contra Seilbahn ist eine Machbarkeitsstudie, die 2014 ausgeschrieben worden war, inzwischen zu einem grundsätzlich positiven Ergebnis gelangt.
Auch der Bürgerverein untersuchte "Pro und Contra" der Seilbahn ausführlich  .

Diesen Januar präsentierte zudem ein führendes Seilbahnunternehmen Interessierten am Campus Haspel, was in einer Stadt wie Wuppertal technisch möglich ist, und pries die Vorzüge seines Produkts: Stündlich bis zu 4.000 Personen könnten dann auf die Südhöhen oder zurück transportiert werden. Für Wuppertaler Bedingungen bietet sich demnach eine "fahrplanfreie Einseil-Umlaufbahn" an, wie es im Fachjargon heißt. Das hieße: Kontinuierliches Pendeln zwischen den drei Stationen – man könnte sagen: ein wenig wie bei der Ausflugsbahn über die Wupper auf Schloss Burg.

Um einmal bei Vergleichen mit beliebten Fahrzeugen der Region zu bleiben: Am prominentesten "Bezugsobjekt" im Bergischen zeigt sich allerdings auch mancher Knackpunkt der Seilbahn-Pläne, der noch wichtig werden könnte – gemeint ist natürlich die Schwebebahn. Mancher Wuppertaler hat zur "alten Dame" ja schon skeptische Nachfragen von Ortsfremden erlebt: "Was soll denn diese Gondel? Da kann man doch nicht aussteigen!", fragte einst eine Münchnerin den Verfasser dieser Zeilen verständnislos. Für die Schwebebahn ließ sich damals leicht aufklären, dass bekanntlich zwischen Barmen und Vohwinkel durchaus Ausstiegsmöglichkeiten bestehen ... Aber bei einer Uni-Seilbahn? In der Tat ist ja zwischen Start im Tal und Schluss in Küllenhahn nur eine Zwischenstation geplant, eben an der Uni.

Innenansicht

Innenansicht Foto: Doppelmayr

Das passt erst einmal nicht recht zusammen mit den Ergebnissen des oben erwähnten Studentenseminars, wo sich zum (auch ökonomisch wichtigen) Thema "Einbindung ins Verkehrsnetz" vorläufig die Feststellung fand: "Durch den Seilbahnbetrieb können abschnittsweise Buslinien entfallen." Explizit für entbehrlich hielt man dort unter anderem die Linie 645 von Hauptbahnhof bis Schulzentrum Süd. Wie aber so die Haltestellen bedienen, die auf dem Weg liegen?

Antworten hätte es für weitere Problemfelder geben müssen, etwa Fragen des  "Überfahrtrechts": Wo Leitungen für die Seilbahn über private Grundstücke führen, wären deren Eigentümer und ihre Interessen zu berücksichtigen und womöglich Entschädigungen zu zahlen.

Die Befürworter der Seilbahn zur Uni quer durch die Luft fanden die Idee nicht nur praktisch, sondern auch modern und auch einen Imagegewinn für Wuppertal-Elberfeld und die Elberfelder Südstadt.
 
Mehr Informationen:

Gesichtspunkte Pro und Kontra zur Seilbahn:  
Initiativseite der WSW mobil GmbH:  

Verein der Seilbahnbefürworter:  
Verein der Seilbahngegner:  


Wikipedia zur möglichen Seilbahn in Wuppertal