BürgervereinElberfelderSüdstadt BürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadtBürgervereinElberfelderSüdstadt BürgervereinElberfelderSüdstadt BürgervereinElberfelderSüdstadt BürgervereinElberfelderSüdstadt BürgervereinElberfelderSüdstadt BürgervereinElberfelderSüdstadt

Chronik des Bürgervereins der Elberfelder Südstadt e. V.

1907

Blicken wir zurück auf das Jahr 1907, das Gründungsjahr des Bürgervereins der Elberfelder Südstadt.

Deutschland war Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II., Reichskanzler war Bernhard von Bülow, einer der Nachfolger Bismarcks. Das Jahr war ein Krisenjahr der deutschen Wirtschaft. Aber man brachte auch viel Initiativkraft auf. In Preußen wird ein Gesetz gegen die Verunstaltung von Ortschaften und Landschaften erlassen. In Elberfeld in der Genügsamkeitsstraße wird die Lebensmitteleinkaufsgenossenschaft Edeka gegründet. Auf der Hardt in Elberfeld wird der Bismarck-Turm eingeweiht. Carl Duisberg, der geniale Organisator der IG-Farben-lndustrie, wohnt in Elberfeld, in der Platzhoffstraße. Elberfelder Oberbürgermeister ist Wilhelm Funck, nach dem im Briller Viertel eine Straße benannt ist. Er residiert im neuen Elberfelder Rathaus, das 1900 erbaut und von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht worden war.

In dieser Zeit schlossen sich 16 Bürger der Elberfelder Südstadt zusammen, um im Gemeinwohl liegende Ziele als Verein zu vertreten.

Initiator der Gründungsversammlung am 18.9.1907 im damaligen Vereinslokal "Sandhof" war Direktor Wilhelm Ungemach. Diese Gaststätte wurde später im Krieg leider zerstört, der dortige Platz, ursprünglich Sandplatz, heißt jetzt seit Jahrzehnten Sandhof. Ungemach erklärte in einer öffentlichen Rede, dass die Wahrnehmung der Bezirksanliegen für einen Einzelnen häufig unmöglich sei, da sie mit Widerwärtigkeiten, auch Anfeindungen, verknüpft sei. Andererseits sei insbesondere auch der Stadt am besten gedient durch die Meinungsbildung in Bürgervereinen.

Das folgende Jahr erbrachte eine mehr als Verfünffachung der Mitgliederanzahl. Vereinslokal war viele Jahrzehnte lang der „Husar", benannt nach einem ehemaligen französischen Soldaten, der sich im 19. Jahrhundert hier niedergelassen hatte. Neben der Eingangstür des Lokals hing unser Vereinsschild. Erst seit 1992 ist dies leider nicht mehr möglich.

Ursprünglich begrenzte sich der Bürgerverein in seiner Namensgebung auf die sogenannte „äußere Südstadt". Diese war damals ein Erholungsgebiet der Elberfelder. Hier wohnhafte Stadtverordnete wurden entweder Mitglieder des Vereins oder förderten ihn.

1877

Bereits seit 1877 gab es einen südoststädtischen Bürgerverein. 

1926

Im Jahre 1926 wurde zusätzlich noch ein südweststädtischer Bürgerverein gegründet. Dessen erster Vorsitzender war der Großvater unseres rührigen Vorstandsmitgliedes Elmar Schneehorst, das alljährliche Reisen des Bürgervereins in interessante Städte des In- und Auslandes organisiert. Diese beiden anderen Südstädter Bürgervereine nahmen nach Kriegsende ihre Tätigkeit nicht wieder auf. Seitdem vertritt unser Verein die Bürgerinteressen dieser Südstadtteile mit. Durch Satzungsänderung in 1966 wurde konsequenter Weise das Wort "äußere" aus der Namensgebung des Bürgervereins der Elberfelder Südstadt gestrichen. In den Anfangsjahren, also seit der Zeit vor dem 1. Weltkrieg, gab es rege Korrespondenzen zwischen dem Bürgerverein und den einzelnen Bahngesellschaften. Es sollte erreicht werden, dass insbesondere die äußere Elberfelder Südstadt in das Fahrplansystem in vernünftiger Weise einbezogen wurde. Mit der damaligen Solinger Kleinbahn wurde bereits seit 1907 korrespondiert. Auf der Fahrtroute zwischen Döppersberg und Hahnerberg gab es im oberen Teil der Augustastraße keine Haltestelle.

Briefverkehr führte der Bürgerverein auch mit der damaligen Barmer Bergbahn. In deren Fahrplangestaltung war die Elberfelder Südstadt nicht einbezogen. Außerdem schaffte diese die Raucherabteile in den Straßenbahnwagen ab. Hauptaktionär der Barmer Bergbahn war die Stadt Barmen. Erreicht werden konnte, dass ein Theaterwagen eingerichtet wurde, zeitweilig gelang auch die Herabsetzung der Straßenbahnfahrpreise für die Teilstücke in Elberfeld.

Die Bürgersteiginstandsetzung oblag damals noch den Hausbesitzern. Die Elberfelder Südstadt war Außenbezirk, lag außerhalb des Beleuchtungs- und Wächterbezirks. Wegen der dadurch bedingten großen Unsicherheit setzte sich der Bürgerverein für die Ermäßigung der Hundesteuer für Außenbezirke ein. Eingreifen musste der Bürgerverein im Vereinsgründungsjahr, weil nicht angekoppelte und nicht genügend begleitete Ochsen in Gärten am Grifflenberg eindrangen. Ein zweispänniger Feuerwehrwagen konnte nicht zum Hahnerberg hinauf und musste wegen Erschöpfung der Pferde umkehren.

Die Elberfelder Südstadt

Mitteilungsblatt des Bürgervereins der äußeren Südstadt


4. Jahrgang............................................................................................................................................. Juni 1963


Die Elberfelder Bebauungsbezirke
enden jeweils wo eine Hauptstraße den Namen ändert: Cölner Straße /Steinbecker
Straße, Weststraße/Oststraße, Oststraße/Ronsdorfer Straße, Jägerhofstraße/Hahner-
berger Straße.
Diese ursprünglichen Namen zeigt deshalb auch die folgende Skizze:

Bebauungsgebiete: Karte

Weil nach 1945 nur unser Verein die Arbeit wiederaufge­nommen hat, betreuen wir die Südstadt, die Südoststadt und die Südweststadt mit.

Kloeppel

1911

Im Jahre 1911 kritisierten wir den Droschkentarif und forderten eine Ausdehnung des inneren Stadtbereichs zum Friedenshain.

Wir bemühten uns darum, dass Schulneulinge in Schulen eingeschult würden, die möglichst nahe an den Wohnungen lagen. Damals gab es noch keine (religiösen) Gemeinschaftsschulen.

Obwohl diese heute zur Regel geworden sind, legt man aktuell bestehende Grundschulen aus fiskalischen Interessen still. Hinsichtlich der „gelben Schule" auf dem Hahnerberg scheint dies trotz unserer mehrfachen Intervention leider nicht verhindert werden zu können.

1910

Im Jahre 1910 baten wir die Stadt, bei den Anwohnern der Augustastraße umzufragen, ob Interesse für elektrisches Licht bestehe. Wir wünschten eine Verlängerung in die Jägerhofstraße bis zur Einmündung Forsthof. Später beantragten wir Verlegung der elektrischen Zuleitungskabel bis zum Friedenshain.

Der Anschluss an das städtische Straßenbeleuchtungssystem gelang erst Jahre danach, im unteren Teil der Augustastraße kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges, auf der Jägerhofstraße oberhalb des Forsthofes aber erst nach 1926. Soweit Straßenbeleuchtung geschaffen wurde, bestand diese aus öffentlichen Gaslaternen. Diese mussten täglich erneut durch einen Laternenmann angesteckt werden. Während des Ersten Weltkrieges geschah dies allenfalls eingeschränkt. Erst im Jahre 1927 wollte das Gaswerk langsam wieder die Friedensbeleuchtung erreichen.

In die Zeit der ersten Jahre nach Gründung des Vereins fiel auch die 300-Jahr-Feier der Stadt Elberfeld. Unser Vorsitzender, Herr Direktor Ungemach, wurde damals zum Mitglied der 300-Jahr-Kommission gewählt. Im Jahre 1909 wurde das Projekt eines großen Spiel- und Sportplatzes auf der Von-der-Heydtschen Wiese, jetzt Freudenberger Sportplätze, unterstützt.


1912

In 1912 hatte die linke - also die südliche - Wupperseite nur 2 Stadtverordnete, während die rechte Wupperseite über 34 Stadtverordnete verfügte. Es wurde damals vom Bürgerverein der Äußeren Elberfelder Südstadt angedroht, eigene Kandidaten aufzustellen, falls von den Parteien nicht ausreichend Vertreter der Südstadt an aussichtsreichen Stellen benannt werden würden.


Schon immer gab es den Konkurrenzkampf zwischen Elberfeld und Barmen. Ebenfalls in 1912 wurde die Alarmmeldung verbreitet, dass der Zeppelin nicht zu einer Elberfelder Verkehrswoche kommen werde, wohl aber zu einer geplanten Barmer Verkehrswoche. In Plakaten der Barmer Verkehrswoche hieß es zudem, dass man am Besten über Barmen ins Bergische Land gelangen könne. In der Vorstandssitzung des Bürgervereins vom 10.12.1912 wurde protokolliert: „Barmen muss sich Elberfeld gegenüber loyaler verhalten, Barmen muss nicht wieder Elberfeld einfach von der Landkarte verschwinden lassen...".

Auch noch 1912 bemühten wir uns darum, den sogenannten Franzosenweg, jetzt „Am Freudenberg" zu verbessern.

Anfang des 1. Weltkrieges wurde von Vorstandsmitgliedern unter Führung unseres langjährigen (bis 1934!) Ersten Vorsitzenden Wilhelm Büntzli der Verein für Kriegshilfe gegründet. Als wesentliche Aufgabe sah man es in diesen Jahren an, hilfsbedürftige Familienangehörige deutscher Soldaten aus Elberfeld zu unterstützen, die zum Kriegsdienst eingezogen worden waren, auch über deren eventuellen Tod hinaus.

1923

Während der Frühzeit des Bestehens unseres Bürgervereins wurde ständig geklagt über die Staubplage auf den Straßen und den zu geringen Einsatz von Sprengwagen. Ab etwa 1923 begann man erst, die Straßen mit einem Teerbelag zu versehen. Auch danach musste über die Straßenreinigung geklagt werden, die der von Pferden ausgehenden Verschmutzung nicht Herr wurde.

Der Bürgersteige, damals Trottoire genannt, nahm der Verein sich immer wieder an. Diese wurden nur langsam aber sicher mit Platten belegt. Es musste darüber geklagt werden, dass die Anlieger ihre Vorgärten nicht in Ordnung hielten. Auch sonst musste sich der Verein gegen Verunstaltungen des Straßenbildes wehren (Schuttablagerungen, Düngerhaufen, Kehrichtmassen, Müll usw.). Erst viel später, etwa ab 1930, fing es mit abgestellten alten Schrottautos an!

1923

1923 musste darüber geklagt werden, dass die hiesige Polizei nur in den innerstädtischen Bezirken Dienst tue. Die Südstädter beklagten sich über eine große Unsicherheit in der Südstadt, viele Einbrüche und Einbruchsversuche sowie Belästigungen von Frauen und darüber, dass in den Anlagen von Halbwüchsigen geschossen werde. Es wurden daraufhin Beamte in Zivil mit Hunden eingesetzt.

1925

In 1925 mussten wir eingreifen, weil Rowdies Bilder, Fensterscheiben, Gartentörchen usw. beschädigten oder zerstörten und nachts unter Trompetengeschmetter durch die Straßen zogen. Auf wiederholte Bitten seiner Mitglieder bat der Bürgerverein die Polizei, tätig zu werden wegen des nächtlichen Herumtreibens von Gesindel auf dem Sportplatz.

Im gleichen Jahr protestierten wir erfolgreich gegen die geplante Abholzung der am Freudenberg gelegenen Waldparzelle der Lutherischen Gemeinde. Das Städtische Kohlenamt wollte damals das Holz haben. Im Jahr darauf bemühten wir uns darum, das sogenannte Dieckmann-Gelände unterhalb der Graf-Adolf-Straße, dessen Abholzung die Stadt erzwungen hatte, wieder aufforsten zu lassen. Dann ging es aus Gründen des Vogelschutzes darum, die Hecken zu erhalten, es wurden zusätzlich Stechpalmen und Weißdorn angepflanzt. Der Bürgerverein bemühte sich ferner darum, dass mehr Papierkörbe aufgestellt wurden.

Für einen Hausbau auf der Südhöhe musste man damals einen städtischen Wasseranschlusszuschlag zahlen, der die Bebauung naturgemäß erschwerte. Cronenberg war dagegen selbstständiger Ort, kannte einen solchen Zuschlag nicht. Dies war sicherlich mit ein Grund dafür, dass der zu Cronenberg gehörende Küllenhahn früher bebaut wurde als die Elberfelder äußere Südstadt.

1924

Der nach Ende des Ersten Weltkrieges gegründete Verband Elberfelder Bürgervereine veranstaltete im September 1924 eine öffentliche Versammlung zur Diskussion der Bildung einer Gesamtstadt „Elberfeld-Barmen".

1927

1927 wurde vom preußischen Innenminister entschieden, dass das bisher in Elberfeld ansässige Polizeipräsidium nach Barmen verlegt wurde, wo es sich heute noch befindet.

1928

Ein Jahr später gab es eine große Diskussion um den Staatsforst Burgholz. Derselbe Innenminister soll sich dahin geäußert haben, der Staat als Eigentümer könne mit dem Burgholz machen, was er wolle. Die Bemühungen des Bürgervereins, die Waldanlagen unangetastet zu lassen, datieren bis ins Jahr 1908 zurück. Deshalb korrespondierten wir damals auch mit dem Elberfelder Verschönerungsverein.

1929

1929 forderte der Bürgerverein, die Wäldchen an der Jägerhofstraße und am Grifflenberg beizubehalten. Auch auf diese hatte es das Städtische Kohlenamt abgesehen. Es handelte sich u.a. um das sogenannte Schreinerswäldchen, welches allerdings heute nur noch in Restbeständen vorhanden ist wegen des inzwischen erfolgten Baues der Bergischen Universität. (Näheres dazu später.)

Im Übrigen wehrte sich der Bürgerverein immer wieder gegen unerwünschte Bauten, die das bisherige Stadtbild der Südstadt beeinträchtigten.

1928

Im Jahre 1928 plante die Stadt Elberfeld die Verlegung des Städtischen Krankenhauses vom Arrenberg in die Gegend des Eichholzes. Davon kam die Stadt dann aber wieder ab, weil nach Gründung der Stadt Wuppertal im Jahre 1929 durch die Barmer Städtischen Krankenanstalten ausreichende Möglichkeiten auch für Elberfelder entstanden.

Die Stadt Wuppertal plante kurz nach ihrer Gründung, die Graf-Adolf-Straße quer über die Jägerhofstraße zum Freudenberg zu verlängern. Hiergegen protestierte der Bürgerverein erfolgreich.

1930

Der Bezirksausschuss Düsseldorf hob im Jahre 1930 die Fluchtlinien auf, nämlich den vorgeschriebenen Abstand der privaten Wohnbebauung von der öffentlichen Straßenfläche. Hierdurch sollte nach der Vorstellung des Bezirksausschusses engere Bebauung ermöglicht werden. Auf Intervention des Bürgervereins erhob die Stadt aber Beschwerde beim Provinzialrat, der dem Begehren Recht gab. Deswegen haben wir in der äußeren Südstadt noch heute fast überall Vorgärten zwischen Häuserfluchten und Gehwegen.

1932

Bis zum Jahre 1932 gab es - man kann es aus heutiger Sicht kaum glauben - zwischen den einzelnen Stadtteilen Jagdgebiete, und zwar bis zum früheren Viehhof. Im Interesse der Sicherheit aller Bürger bemühte sich der Verein um Aufhebung.

1933

Mit dem Jahre 1933 sah sich der Verein gehalten, sich den neuen Machthabern anzupassen. Der damalige 1. Vorsitzende Büntzli gab im Lokal "Sandhof" bekannt, dass auf einstimmigen Beschluss des Vorstandes in unserem Verein das Führerprinzip eingeführt wird. Die historische Gerechtigkeit muss an dieser Stelle allerdings festhalten, dass Büntzli nicht etwa ein eifriger Nazi war. Er tat nur das, was man damals allgemein für notwendig hielt, um den Verein zu erhalten im Interesse der Bürger, um deren Wohl sich unser Verein auch weiterhin bemühen wollte. Zahlreiche andere Vereine und an sich nicht-parteipolitische Organisationen wurden damals entweder „gleichgeschaltet", also der NSDAP streng hierarchisch untergeordnet, oder anderenfalls verfolgt.

Im gleichen Jahr verwahrte sich der Bürgerverein dagegen, das Gelpetal durch einen 5 Meter breiten Weg aufzuschließen, da die Fuhrwerke die Spaziergänger belästigen würden. Wir setzten uns erfolgreich dafür ein, den alten Ronsdorfer Weg umzubenennen in „Am Waldschlößchen", da dieser Name für viele alte Elberfelder schöne Erinnerungen aufleben lasse. In dem damals großen Park im Dreieck Jägerhofstraße, Am Forsthof und dem damaligen Ronsdorfer Weg befand sich eine sehr hübsche kleine Gaststätte mit dem Namen „Waldschlößchen", unterhalb des damaligen Teiches gelegen, auf welchem noch bis nach Kriegsende die Kinder der Anwohner Schlittschuh liefen. Nach dem Verfall der Gaststätte sind dort später quer zur Straße 2 Wohnhauszeilen errichtet worden.

Am 7. Mai 1933 wurde der vom Bürgerverein gestiftete erste „Wandervogel", ein Werk des Bildhauers Koopmann, am Sandhof enthüllt. Insbesondere Büntzli und seinem unermüdlichen Einsatz in den Jahren zuvor war es zu verdanken, dass es zu dieser Stiftung kam. Das Denkmal hatte nichts mit nationalsozialistischer Ideologie zu tun, es war bereits Jahre vor der nationalsozialistischen Machtergreifung in Auftrag gegeben worden. Nach allgemeinem Urteil war es künstlerisch wertvoll.

1940

1940 wurde der Name des Vereins vorübergehend in Verschönerungsverein geändert. Unter diesem Namen haben noch manche erwähnenswerte Veranstaltungen stattgefunden. Heimatdichter Viktor Friedrich Storck war öfter als Vortragender zu Gast, eine Sitte, die auch nach dem 2. Weltkrieg noch lange Jahre beibehalten wurde.

1943

Zunächst kam aber das vorläufige bittere Ende. Die Chronik aus den Protokollbüchern schildert dies wie folgt: „Zu den Sitzungen Anfang des Jahres 1943 waren nur wenige Mitglieder erschienen (oft nur 2), so dass keine Besprechungen stattfinden konnten (Daueralarm!). Man unterhielt sich über die Zeitereignisse, welche der Krieg mit sich brachte." Für unsere Bergische Heimat war 1943 ein schweres Unglücksjahr. In den Protokollen heißt es weiter: „Die feindlichen Terrorflieger zerstörten am
29. Mai: Ronsdorf und Barmen bis zur Loher Brücke.
25. Juni: Barmen von Loher Brücke, Elberfeld, Cronenberg. Besonders schwer wurde unsere Südstadt betroffen. Fast sämtliche Häuser zerstört oder ausgebrannt, zahlreiche Tote und Verletzte.
30. Juli: Angriff auf Remscheid.
4./5. November 1944: Solingen zerstört.
Sitzungen fanden nicht mehr statt, da fast keine Mitglieder mehr hier waren. Sie hatten eine neue Zuflucht bei Verwandten oder Bekannten gesucht und gefunden."

Die alte Elberfelder Südstadt war tot. Der Lebenswille war aber ungebrochen. Nach dem Krieg mit seinem Zusammenbruch und seinen Zerstörungen wurde der Bürgerverein der äußeren Südstadt wieder ins Leben gerufen. Initiator war der unvergessliche Rechtsanwalt Franz Hünerbein.

1952

1952 lesen wir schon den Namen unserer jahrzehntelangen Schatzmeisterin, unseres späteren Ehrenmitgliedes Hilde Gilfert.

Die Ziele des Vereins wurden neu umrissen: „Der Bürgerverein der äußeren Südstadt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Belange unseres schönen Stadtteils den Behörden und Stadtwerken gegenüber wahrzunehmen, ohne kleine Kirchturmspolitik zu treiben." Diese klare Abgrenzung gegenüber egoistischen Bestrebungen verdient besonders hervorgehoben zu werden. Sie bleibt ein Kennzeichen des Bürgervereins bis zum heutigen Tage.

1954

Ein erster Höhepunkt des neuen Abschnitts einer segensreichen Tätigkeit im Interesse der Südstadt war der 31. Juli 1954. Kurz nach Kriegsende hatten Fanatiker den von Koopmann geschaffenen „Wandervogel" zerstört, weil sie diesen - wohl unberechtigt - als ein Sinnbild des überwundenen Diktaturregimes ansahen. Der Bürgerverein beauftragte den Wuppertaler Bildhauer Harald Schmal, das Bronzestandbild „Der Wanderer" zu schaffen. Dieses wurde an besagtem 31.7.1954 in der kleinen Anlage am Sandhof feierlich enthüllt. Die Wuppertaler Tagespresse berichtete über die Feierstunde ausführlich. Jahrzehnte bevor die Krankenkassen heute Fitnessübungen zur Gesundheitsförderung unterstützen, hatte der Bürgerverein ein Zeichen in diese Richtung gesetzt.

In Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein Elberfeld Nord-Ost betrieb der damalige Vorsitzende, Rechtsanwalt Hünerbein, den Bau der neuen Badeanstalt (Schwimmoper). Erfolg erzielte der Bürgerverein bei dem Kampf gegen das Projekt einer Eisengießerei in der damaligen Wicküler'schen Maschinenhalle an der Ronsdorfer Straße, wo heute das Schwimmbad Waterworld Bergische Sonne steht.

Außerdem setzte sich der Verein für die Aufstellung von Bänken ein, die Verbesserung von Grünanlagen, für eine bessere Abgrenzung der Polizeireviere und Wahlbezirke sowie für die Trümmerbeseitigung. Wirksam verteidigt wurden die Interessen der Bürger gegenüber den damaligen Bezirksausschüssen. Um unmittelbarer an der offiziellen Bezirksverwaltung mitwirken zu können, engagieren sich seit den 50er Jahren Vorstandsmitglieder des Bürgervereins auch in der Bezirksvertretung.

Nachfolger von Franz Hünerbein, der bis zu seinem Tode Ehrenvorsitzender war, wurde Rechtsanwalt Dr. Friedrich Hagemeyer. Er nahm gleichzeitig das Amt eines Vorsitzenden des Stadtverbandes der Wuppertaler Bezirks- und Bürgervereine gemeinsam mit Dr. med. Robert Graeff als Stellvertreter wahr.

1960

Im Juni des Jahres 1960 erschien das erste Mitteilungsblatt des Bürgervereins unter dem Titel „Die Elberfelder Südstadt". Initiator und Herausgeber war Dr. Friedrich Hagemeyer. Unermüdliche Mitarbeiter waren u.a. Oberregierungsrat Dr. Kloeppel und die Heimatdichter Viktor Friedrich Storck sowie Fritz Arlt, Großvater der Inhaberin eines Elberfelder Brillengeschäftes.

Der Vorsitzende gab Ziel und Richtung für das neue Blatt an: „Das Mitteilungsblatt soll ein Bindeglied zwischen den Elberfelder Südstädtern und ihrem Bürgerverein darstellen und auch diejenigen über das Wichtigste informieren, die aus beruflichen, gesundheitlichen oder sonstigen Gründen nicht dazu in der Lage sind, unsere Vereinsversammlungen zu besuchen. Unser Verein erstrebt die lebendige Verbindung zwischen Bürgern und Stadtverwaltung sowie allen anderen Behörden, um im Interesse des Ganzen den berechtigten Wünschen unserer Südstadt und unserer Südstädter im Rahmen des Möglichen zum Ziele zu verhelfen und gleichzeitig einen engeren Kontakt der Bürger unseres Bezirks zu erreichen."

1968

Im Jahre 1968 übernahm Dr. Heinz Wolff, der ehemalige stellvertretende Chefredakteur des Wuppertaler Generalanzeigers (heute WZ), die Redaktion des Mitteilungsblattes. Er behielt sie bis kurz vor seinem Tode 1987.

An großen kommunalpolitischen Ereignissen seit Anfang der 70er Jahre ist der Bau der Bergischen Universität Wuppertal auf dem Grifflenberg zu nennen. Hier hatte der Bürgerverein entschlossen alle kleinlichen Bedenken hinten angestellt und sich im Interesse des großen bildungspolitischen Fortschritts in der Heimatstadt für die Errichtung der Gebäude eingesetzt, obwohl ein „Schmuckstück" wie die Schreinerswiese geopfert werden musste. An der hiesigen Uni können heute außer Medizin und Rechtswissenschaften über 50 typische Studiengänge studiert werden. Einige Studiengänge kann man überhaupt nur hier und an keiner einzigen anderen deutschen Universität - studieren, nämlich beispielsweise Sicherheitstechnik. Mehr als 13.600 Studenten lernen heute von 276 Professoren und 378 wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Universität Wuppertal
Universität Wuppertal

Dem Bau der Straße L 418 stand der Bürgerverein kritisch begleitend gegenüber. Mitglieder des Bürgervereins wünschten sich, dass die Cronenberger Straße entlastet würde. Gleichwohl mehrten sich Stimmen im Verein, dass es nicht nötig sei, eine Schneise durch das Burgholz zu schlagen. 1977 zitierte Dr. Hagemeyer in unserem Mitteilungsblatt als bedenkenswerte historische Parallele ein Waldgesetz der Grafschaft Mark von 1649, wonach derjenige, der unerlaubt Bäume fällte, nicht nur streng bestraft wurde, sondern im Übrigen „der Schuldige zwangsweise dazu angehalten werden sollte, Wiederaufforstungsarbeiten zu verrichten. Notfalls sollten solche Schäden von Amts wegen wieder in Richtigkeit gebracht" und der Verursacher zur Entschädigung herangezogen werden.

Der Bau der L 418 war im Ergebnis nicht aufzuhalten. Die autobahnähnliche Straße ist von Lichtscheid bis zur Müllverbrennungsanlage unter enormem Verlust von Wald- und Wiesenflächen fertiggestellt worden. Das letzte Teilstück jedoch bis zum Anschluss an die A 46 wurde in der ursprünglich bereits beschlossenen oberirdischen Bauweise nicht verwirklicht, sondern durch die Tunnelvariante unter dem Burgholz ersetzt. Diese Lösung hatte unser inzwischen leider verstorbenes Mitglied Architekt Dipl.lng. Heinz Kissler bereits in den 70er Jahren - damals teilweise belächelt als machbar erkannt. So bleibt uns dieses großartige prächtige Waldgebiet unangetastet erhalten, welches von Herrn Oberforstmeister Hogrebe in jahrzehntelanger Arbeit aufgeforstet wurde unter Verwendung von Baumbeständen aus Südamerika, Kanada und Australien.

Auf Dr. Hagemeyer folgten als Vorsitzende Dr. Eduard Schiemenz, kurz danach Hans Nobes. In dessen Amtszeit fällt die Errichtung der Unihalle auf dem Osterberg. Die Halle ist als Mehrzweckhalle konzipiert. In ihr finden nicht nur Sportveranstaltungen, sondern auch Konzerte und Show-Aufführungen statt. Die Besucher der Unihalle können ihre Autos in den Uni-Parkhäusern abstellen. Hans Nobes führte auch regelmäßige Besichtigungs- und Ausflugsfahrten ein, beispielsweise jährlich zu einer Theaterveranstaltung nach Schloss Burg.

1987

Von 1987 bis 1993 war Heinz Jaroch Vorsitzender des Bürgervereins. Unter seiner Regie geriet das 80jährige Bestehen des Bürgervereins in der Gaststätte „Rigi Kulm" zu einem gesellschaftlichen Ereignis, an dem Künstler aus Wuppertal und dem angrenzenden Raum teilnahmen. Seit dieser Zeit veranstaltet der Bürgerverein jährlich in der ersten Novemberhälfte ein Martinsgansessen, welches inzwischen zu einer festen Institution geworden ist, auf welcher auch in kleineren Darbietungen Wuppertaler Brauchtum gepflegt und gelegentlich Sketche aufgeführt werden. Unser heutiger Vorsitzender Hans-Joachim Thias war zuvor viele Jahre Bezirksvorsteher in unserem Elberfelder Stadtbezirk. Auch der heutige Bezirksvorsteher Hans-Jürgen Vitenius gehört dem Vorstand unseres Bürgervereins an. Beide wurden im Stadtbezirk gewählt bzw. wiedergewählt, obwohl sich ihre jeweiligen politischen Parteien in der Minderheit befanden. Unser Bürgerverein versteht sich zwar als parteipolitisch neutral, die persönliche Kompetenz seiner Vorstände wird aber offenbar auch außerhalb des Vereins anerkannt. Durch diese Verbindung können viele an den Bürgerverein herangetragenen Wünsche Südstädter Bürger unmittelbar in die Willens- und Verfahrensbildung der zuständigen Verwaltungsorgane hineingetragen werden.

2003

Seit Mitte der 90er Jahre entstand die Technologieachse Südhöhen auf dem Gelände der früheren Sagan-Kaserne am Eichholz. Hier sind allein durch die Fertigstellung des prächtigen Glasbaus der Delphi- Deutschlandzentrale 2003 insgesamt 1200 Arbeitsplätze für Ingenieure, Verwaltungsfachleute und in der Produktion entstanden. In diesem Unternehmen wird u.a. weltweit erstmals die Computertomographie industriell zur Qualitätssicherung bei der Teilefertigung eingesetzt. Dies wurde letztlich ermöglicht durch Weiterentwicklung einer Erfindung aus dem Bergischen, nämlich des Lennepers Wilhelm Conrad Röntgen, zum sogenannten 3D-Röntgen.

Der Bürgerverein hat die Ansiedlung der Technologieunternehmen auf den Südhöhen mit Wohlwollen begleitet, seit feststand, dass die Produktion auf dem neuesten emissions-technischen Standart funktionieren würde und weder Geräusche nach außen dringen noch Gerüche oder sonstige Schadstoffe in die Luft entweichen. Technologische Abteilungen des Universitätscampus Freudenberg arbeiten mit den Privatunternehmen gegenüber teilweise synergetisch zusammen.

Heute wie früher versteht sich der Bürgerverein der Elberfelder Südstadt als bürgerschaftliches Bindeglied zu den demokratisch gewählten Vertretern in der Bezirksvertretung, im Stadtrat sowie in der Stadtverwaltung. Der Leitspruch „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen", ist keineswegs überholt. Erwerben heißt mitgestalten, das Erbe sinnvoll pflegen und verwalten. Die Elberfelder Südstadt wird sich weiter verändern. An der Gestaltung verantwortungsbewusst mitzuarbeiten, das ist - neben den geselligen und gesellschaftlichen Aspekten - die Zielsetzung des Bürgervereins, der sich als Sachwalter der Interessen und Wünsche der Bürger versteht.

Der heutige Vorstand setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Vorsitzender:                             Ralph Hagemeyer
Stellvertretender Vorsitzender: Jürgen Schröder
Schriftführer:                             1. Michael Dickmann, 2. Hans-Jürgen Vitenius
Schatzmeister(in):                     1. Brigitte Hagemeyer, 2. Ottfrid Schulze

Beisitzer:
        Eva Maria Buggert, Karin Ernst, Gabriele Mahnert,
        Johannes Schlottner, Elmar Schneehorst, Peter Trabitzsch

Herr Schneehorst ist seit 2003 Ehrenmitglied.

Redakteur der Vereinszeitschrift: Gerhard Hense 

Verstorbene Ehrenmitglieder:
Ehrenvorsitzende Franz Hünerbein, Dr. Friedrich Hagemeyer und Hans Nobes, Ehrenvorstandsmitglieder Hilde Gilfert, Hilde Krüger und Anneliese Rabanus.

gez. RA Ralph Hagemeyer, Vors.